Ein kurzer historischer Abriß der Familie Papsdorf

Die urkundlich gesicherten Ursprünge der Familie Papsdorf liegen im heutigen Nordwestsachsen im Raum Leisnig. Mit einiger Berechtigung darf als Urheimat der Familie der kleine Ort Papsdorf östlich von Grimma und nördlich von Leipnitz anzusehen sein.

Papsdorf bei Grimma/ Sachsen

Luftbild vom Jahr 1993 aus südwestlicher Richtung. Im Hintergrund rechts der Collmberg bei Oschatz (313 m über NN).

Bekannterweise bildeten sich in Deutschland Geschlechternamen neben vielen anderen Kriterien aus der Herkunft einer Person aus. Das Dorf Papsdorf bei Grimma hat in seiner Geschichte, die mit 1378 als "Popstdorf/ Pabsdorf im Registrum Dominorum Marchionum Misnensium" beginnt, seinen Namen kaum geändert. Es liegt ihm eine ältere slawische Form zugrunde, Popovici, deutsch Poppwitz = Pfarrersleute, die um das deutsche Grundwort "-dorf" erweitert wurde. Jedenfalls scheidet die bei Pirna gelegene Ortschaft Papstdorf als Herkunftsort mit Sicherheit aus, die noch 1371 Bogansdorf hieß.
Bemerkenswert ist, daß bei der eigener langjährigen genealogischen Forschungstätigkeit kaum Wandlungen des doch eher komplizierten Familiennamens festgestellt werden konnten. Zwar wurde das "A" des häufig mundartlich zu "O" verdunkelt und die beiden "harten" Konsonanten "P" oftmals als "weiche B" geschrieben. In den Kirchenbüchern von Pomßen bei Leipzig hieß die Familie über mehrere Generationen nur "Paps", später dann aber wieder korrekt Papsdorf. Noch heute wird in sächsischen Ortschaften, wo der Name existent ist, vom "Paps" oder "Papser" gesprochen.

Rechnungen Amt Leisnig 1512

Erbregister Leisnig 1516

(10g Strafe!) Antonius Popstorf zu Rodaw unter der Obrigkeit des Ampts begriffen umb des Willen, das er aim (einem) Knecht Schreyer genant, mit aym Rechen ain Schaden in ein Pein (Bein) zugefügt. Item aine Beulh (Beule) ufs Heubt (Haupt), ist vortragen actum an Sand Bartelmes Tagk (Bartholomäus) Anthoni Popßdorff ein handfronerr sagt das er sein gut 1 virtl landes ßo von den Kotteritzschen zu lehenn ruren bey XXIII Jar besessen und zinst davon (...)

 

Spitzenahn der meisten, heute noch lebenden Namensträger ist Anthonius Papsdorf in Röda bei Leisnig. Im Jahr 1516 bekennt er als Handfroner und Erbfischer, daß er sein Viertelhufengut seit 23 Jahren besitzt. Geboren ist er um 1460, gestorben 1528. Ob er ein Sohn oder Bruder des Dobernitzer Pferdners Blasius Papsdorf (* um 1440, + zwischen 1495 und 1504) ist, konnte bislang nicht bewiesen werden. Ebenso ist die Genealogie des Grimmaer Ratsherrn Benedict Papsdorf (* um 1450, + ?) unbekannt.
Neben dem "Rödaer Ast" existiert der kleinere "Sermuther Zweig", der mit dem Hintersässer und Halbhüfner Peter Papsdorf (* Brösen 1545, + Großsermuth 1606) beginnt. Diverse Hinweise lassen eine enge Verwandtschaft der beiden Familien vermuten, schlüssig konnte sie aber bislang nicht bewiesen werden. Als Forschungshypothese mag gelten, daß Anthonius der Urgroßvater von Peter war.
In Sachsen war zumeist die Größe eines bäuerlichen Anwesens bestimmt, wirtschaftliche Lebensgrundlage für nur eine Familie zu bilden, was sich auch im vorherrschenden Jüngstenerbrecht widerspiegelt. Um den Hof möglichst lange den Eltern zu belassen, bis der jüngste Sohn die Wirtschaft führte, hatten sich die älteren Brüder neue Existenzen zu schaffen. Dies geschah durch Gutskäufe in der Nachbarschaft, Einheirat in solche, Erlernen eines Handwerks oder Einschlagen der Soldatenlaufbahn, später sogar durch Auswanderung.
Insgesamt ist bei der Familie Papsdorf ein stetiges Wandern nach Westen festzustellen, wo mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert die großen Städte - hier insbesondere Leipzig - einen zusätzlichen Sog ausübten.
In dieser Zeit, dem 19. Jahrhundert, sind einige nichteheliche Verbindungen von Namensträgern Papsdorf eingegangen worden, deren lakonische Kirchenbucheinträge bislang eine genaue Zuordnung der Nachkommen in den Familienverband verhindert haben.
Gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts setzt aber nicht alleine die allgemeine Landflucht ein, zunehmend werden auch Sachsen und Deutschland selbst verlassen.
Heute leben Papsdorf-Familien in vielen Staaten Europas, Afrika, Süd- und Nordamerika sowie Australien.
Der zur Verfügung stehende Raum dieser Homepage verhindert, weitere Einzelheiten oder sogar die Gesamtheit der geleisteten Arbeit darzustellen. Es werden derzeit etwa 1500 Namensträger erfaßt, davon zirka 300 lebende Zeitgenossen.




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