Etwas zum Schmunzeln und zum Nachdenken  

Die folgenden völlig unsortierten Zeitdokumente wurden zum größten Teil der Regestensammlung des Nordwestsächsischen Bauernarchiv im FAMILIENARCHIV PAPSDORF entnommen, auch einigen Forscherfreund(Inn)en sind solche "Sternschnuppen" zu verdanken. Mögen sie in gleicher Weise dem zeitgenössischen Leser zur Erheiterung dienen, wie dies mit einiger Sicherheit so manche unserer recht lächerlich anmutenden Rechtsstreitigkeiten wohl bei nachfolgenden Generationen verursachen werden.


GB Leisnig 171 Bl. 30

18.12.1583: Andres Kieselingk, Görnitz klagt, dass er in der Schenke zu Clennen vom Leutewitzer Hirten Georg Wener ohne Ursache übel geschlagen worden sei. Wener zahlt Strafe.

 

GB Leisnig 171 Bl. 27

28.11.1583: Adam Mager und Hans Kießeling haben sich in der Schenke zu Fischendorf gerauft. K. erhielt von M. eine blutrünstige Lasche [Verletzung]. M. zahlt 24 Groschen Strafe und 12 Gr. Gebühren.

 

GB Leisnig Nr.?

Montag nach Exaudi 1577: Hans Richter hat den Hans Kießling, Görnitz am rechten Auge beschädigt, dass er blind zu werden vermeint. R. gibt 2 gute Groschen für den Schaden.

 

GH Mölbis Nr. 13 1735/ 1736 Bl. 22

Mölbis, 3.3.1734. Schreiben des Magister Jacob Greiff, Pfarrer zu Mölbis, an den Gerichtsherrn Exzellenz General Bose betreffend:

Unordnung bei Hochzeiten ist eingerissen! Man hält die Zeiten nicht ein und läßt sich erst voll und voll laufen. Der Pfarrer bittet den Gerichtsherrn, seinen hiesigen Untertanen zu befehlen, sich bei Hochzeiten um 4 Uhr, ob Sommer oder Winter, zur Trauung in der Kirche einzufinden, damit ein jeder die darauf gesetzte Strafe von 5 Taler vermeide und sich selbst es zuschiebe, wenn er nach 4 Uhr die Kirchentür verschlossen findet.

 

GH Hopfgarten Nr. 480

1751. Des Schulmeisters Samuel Großes Sohn Samuel Gotthelf beobachtet in der Kirche mehrere weiße und eine schwarze Gestalt, die eine Kerze anzündeten und Lieder sangen. Man sieht aber allgemein die Sache als groben Unfug an. Samuel Gotthelf Große ist Zeugmachergesell.

 

GH Gnandstein Nr. 104 Bl. 140

Gnandstein, 20.9.1728. Im Dorfe Roda liegt in Quartier der Korporal von den Kürassier-Reitern Andreas Weber. Vor einiger Zeit spielte er mit jungen Burschen und auch Nachbarn zu Roda Karten. Dabei habe der Schöppe Hans Weißke sich mit ins Spiel eingelassen, aber nicht hoch. Letzthin aber sei das wieder geschehen, und man habe zunächst nur um eine 'Fledermaus' gespielt. Weißke habe es jedoch dabei nicht belassen und habe das Spiel bis auf 1 Gulden oder 16 Groschen 'auffn Stamm' getrieben und ihn zum Mitspielen 'forcieret'. Weißke habe aber kein Glück gehabt und habe mehrere Taler verspielt, habe aber nicht alles bezahlt. Da Weber in Güte nichts bekommen kann, zeigt er jetzt die Bauern wegen hohen Spiels an und bittet darum, dass Weißke seinen Rückstand bezahlen soll. Weißke wird vernommen, gesteht das Spielen ein, nicht aber, dass er 'umb 16 Groschen auffn Stamm' gespielt hat ... Weißke und ein Christoph Nöbel werden wegen ungebührlichen und unzulässigen Spielens zu zwei bzw. zu einem neuen ßo verknackt, ersatzweise dafür 14 bzw. 8 Tage Gefängnis, oder für jeden 3 Tage Handarbeit zu leisten. Beide bitten darum, die Strafe zu lindern. Sie wird um die Hälfte ausgesetzt. Sie versprechen, sich nie wieder auf verbotenes Spiel einzulassen.

 

Amt Rochlitz Nr. 5 (1560-1568) Bl. 108b

[ohne Datum, aber sicher 1561]: Peter Waldenburg zu Obergräfenhain, Sohn des Martin W. allda, hat sich mit des Pfarrherrn Adam Bergers Tochter Agnes 'fleischlich vermischet' und sie 'von Ehren zu Unehren' gebracht. Der Vater und Andres Reimann zu Breitenborn haben sich für beide als Bürgen für 50 neue ßo gestellt für den Übeltäter, der am 21.11.1561 eingelocht wird.

 

Stadtrechnungen Colditz 1556, Strafgelder:

10 gr. [Groschen] Michel Ranft und Jacob Reiche von Erlbach. Haben gerauft und sich geschlagen.

 

Ebd. 1563: 5 gr. Brosi Reiche, Erlbach hat Wolff Dietman aufs Maul geschlagen.

 

GH Großhermsdorf 89, Bl. 8b

Hartmannsdorf, 16.12.1684: Georg Fischer zu H. klagt gegen Hanß Töpfer zu H., der ihm einen Mahlpfahl auf der Wiese ausgeschlagen und zerschlagen hat. Töpfer will davon nichts wissen und verlangt Besichtigung durchs Gericht.

 

GH Medewitzsch Nr. 17 Bl. 104b

Medewitzsch, 13.3.1717: Anna vhl. Gottfried Todt zu Medewitzsch beklagt sich über Rosina verwitwete Just Todt, die ihr nachsagt, ihr Federn aus Betten gestohlen zu haben. Sie bittet darum, dieser die Klatscherei unter Geschwistern zu verbieten, was auch geschieht.

 

GH Benndorf Nr. 7 Bl. ?

1660(?): Thomas Wildenhahn und sein Weib Anna rügen, dass Christoph Naumanns Schweine in ihrem Getreydicht gewesen sind. Anna hat sie gesehen, als sie von Froburgk ihres Weges daher kam.

 

ZfG Sign. 5461A Bl. 37

Wickenhain, 1604: Auf Lenhardt Hermsdorfs Tochter Hochzeit hat Simon Charte dem Nicole Sire eine Wunde gliedeslang mit dem Glas auf dem Kopf geworfen.

 

Amt Pegau Nr. 568 

18.11.1749: Beginn einer langen Klagesache, die Andreas Rudolph und Benedict Güntzscher zu Stöntzsch gegen den Floßverwalter Gottlob Grahle zu Pegau führen, der einen Steg wegriß, den die beiden 'zu ihrer Bequemlichkeit' über den Floßgraben gelegt hatten, um schnell zu ihren Feldern zu gelangen. -

Floßverwalter Johann Adam Schmidt von Zeitz als Begutachter.

 

GH Sahlis - Rüdigsdorf Nr. 73 1637 - 1640 Bl. ?

1639: Kantor und Schulmeister Christian Spillner verklagt seine Schwiegermutter Anna verwitwete Grabe, die ihn beschuldigte, von Geldern, die er seiner Braut auf dem Schloß zu Altenburg in Verwahrung geben sollte, etwas verwendet zu haben. (Die Braut ist Dienerin bei Fr. Löser auf dem Schloß zu Altenburg.) Die Klägerin beruft sich auf ihren Bruder Melchior Hillmann. Man versöhnt sich schließlich, beide Parteien leisten einander Abbitte.

 

GH Hainichen (bei Borna) Nr. 50 Bl. 1

Trages, 12.12.1721: Elias Hermann zu Trages zeigt Matthes Hackschmidt von Hainichen der üblen Nachrede an. Er habe die Trageser in der Schenke zu Hainichen öffentlich als Schelme bezeichnet, ihn, den alten Elias Hermann, einen dreifachen Schelm geheißen. Er, Elias Hermann, sei 71 Jahre alt und habe recht und ehrlich auf der Welt gelebt, und er zeige hiermit den Hackschmidt der öffentlichen Schmähung an. Verhandlung am 24.12.1701: Dabei erklärt der Hackschmidt, der alte Elias Hermann habe ihn auf dem Pfarrfelde einen alten Schelm und zur Hainicher Kirmes einen dreifachen Schelm geheißen. Elias Hermann hält den 'einen' Schelm für nicht ausgeschlossen, die weiteren Anschuldigungen bestreitet er und bringt dafür auch Zeugen: den Schöppen Michel Große, den Schäfer(?) Johann Hertzog und Martin Schirrmeister. Urteil vom 7.1.1702: Hackschmidt hat den Elias Hermann öffentlich Abbitte zu leisten und hat 1 neue ßo Strafe zu erlegen.

 

GH Hainichen Nr. 49 Bl. 77

Hainichen, 12.10.1798: Matthes Hackschmidt hat zweimal an Sonntagen gearbeitet und wird deswegen mit einer Strafe von 1 Taler 12 Groschen belegt.

 

GH Hainichen Nr. 49 Bl. 7

(wahrscheinlich) 22.10.1694: Gerichtschöppe Matthes Hackschmid allhier wir vernommen in Sachen Hans Kipping, der gegenüber seiner Gerichtsfrau ungebührliche Worte gebraucht haben soll.

 

GB Borna Nr. 268 Bl. 174

Hain, 12.4.1605: Severin Döring zahlt 9 neue ßo an Valentin Rohtts Tochter Maria als Entschädigung, weil sein Sohn Pancratius sie geschwängert hatte.

 

Amt Colditz Sign 215 StA Leipzig

Andreas Goldammer contra Clemen Dietze, beide Erlbach.

16.2.1684: Andreas Goldammer beklagt sich vor Gericht darüber, dass Clemen Dietze ihm zum Trotz seinen Fahrweg benutzt, obwohl Dietze seinen eigenen Fahrweg habe. Am 29. Januar hat die ganze Gemeinde bei Wirt Caspar Steinheußer zusammengesessen und ein Viertel Gemeindebier getrunken. Dabei habe er, Goldammer, zu Dietze in aller Güte gesagt: "Clemen, worumb thut ihr das und fahrt auf meinem Fahrweg, da ihr doch dergleichen Weg selber habt und auf dem eurigen überall fahren könnt?" Clemen habe darauf gesagt: "Du Hundsvott" und auch stracks darauff einen beschlagenen Krug und einen Becher mit Bier genommen und beydes Goldammer auffn Kopf und auf Stücke geschmißen, "dass davon eine Beule aufgelauffen". Der Wirt Caspar Steinheußer hat sofort seinen Knecht zum Gericht geschickt, und dieses hat "noch 2 Stunden unter liechtes, ungefehr umb acht Uhr" Andreas Goldammer besichtigt, der mit andern noch am Tische saß. Die "beule" wurde "alß ein tauben Ey groß aufgelauffen" befunden. Auf dem Tisch lagen auch die Scherbel des beschlagenen Kruges und eines braunen Trinkbechers.

In der Sache werden später Zeugen gehört, so Andreas Hörnig, Toffel Mühlender (Mühlner), beide von Erlbach.

Auf Blatt 9: Besichtigung des strittigen Fahrweges. Andreas Goldammer ist Hintersässer, Clemen Dietze Pferdner. Pferdner- und Hintersässergut gehörten früher einmal zusammen und waren Besitz des alten Christoph Dietze. Nach dessem Tod kamen 1646 die Güter an seine Söhne Hans und Clemen Dietze. Hans verkaufte dann unterm 14-3-1676 sein Gut an Marten Lindtner und schon am 13.12.1676 verkaufte dieser es weiter an Andres Goldammer. In den Kaufbriefen keinerlei Rede von Fahrweg. Zur Zeugenvernehmung erscheinen auch Thomas Schilde, 82 Jahre, der seit 70 Jahren im Dorf wohnt. Der Richter Andres Mühlner, Martin Reiche, Andres Nischer, Caspar Steinheußer (alles Schöppen), ferner Hans Schilde (70 Jahre).

Der Gerichtsspruch geht schließlich zugunsten Goldammer.

 

Chronik des C.F. Prauße Sign. A 4543 p. 427

Der Kinderlehrer NN. Krause, angestellt zu Brethnig als solcher ao. 1764, duelliert sich eines vormittags in Gegenwart der weinenden Schulkinder mit einem preußischen Korporal.

[Ob das Weinen der Schulkinder als Mitleid mit dem militärisch vermutlich unterlegenen Pauker oder als Furcht vor dem andernfalls fortgesetzten Unterricht gewertet werden kann, geht aus der Regeste nicht hervor.]

 

GH Gnandstein Nr. 104 Bl. 152

Gnandstein, 29.12.1728. Der Wollkämmer Hans Voigt zu Roda rügt, dass sich der dortige Gerichtsschöppe Hans Weißke auf der Voigt'schen Hochzeit und auch nachher an Hans Michel Wildenhains Biersuppe ungebührlich aufgeführt hat. Er habe sich als einen Ochsen verkleidet und habe auf sich reiten und feilbiethen lassen. Weißke wurde vorgefordert und sagt aus: Er kann nicht leugnen, dass er sich auf der Voigt'schen Hochzeit allerdings mehr im Tanzhaus lustig gemacht habe. Er habe sich jedoch nicht als Ochse, sondern als Schimmel verkleidet, und der eine Musikant sei auf ihm zur Stube hinein geritten, und dieser habe ihn nachher auf Befragen für 40 Taler feilgeboten, und das könne der Bräutigam Hans Moßdorf bezeugen, der anwesend war. Weiter sei nichts passiert. An Wildenhains Biersuppe hätten sie vor Langerweile nichts vorzunehmen gewußt, da habe er sich als Schimmel angezogen und Barthel Lohse sei auf ihm geritten. Es habe ihn nachher gereut. Er wolle es auch nicht wieder tun und bittet um eine geringe Strafe. Er bekommt 8 Tage Gefängnis, ersatzweise pro Tag Haft 3 Tage zugewiesene Handarbeit. Bestraft wird auch Barthel Lohse. Richter ist Martin Ahner und Schöppe Hans Moßdorf zu Roda.

 

O. Kunzmann, Chronik von Kitzen und der Buddeldörfer:

1. In den turbulenten Zeiten des 30-jährigen Krieges (wie sie bei Hohenlohe näher beschrieben werden) wurde der Simon Barthelmehs aus Räpitz im Juli 1635 in der Schenke zu Kitzen aus purem Blödsinn erschossen. Er hatte den in der Schenke einquartierten schwedischen Soldaten gegenüber behauptet, dass er nicht durch eine Kugel  getötet werden könne. Einer der Soldaten nahm ihn beim Wort, nahm das Gewehr des Barthelmehs und drückte auf ihn ab, worauf dieser tot umfiel, obwohl man nachher sah, dass er Pfanne und Ladung mit Bier angefeuchtet hatte.

2. Bei der Kirchenvisitation 1562 wird bemängelt, dass nicht nur die Gemeinde kirchlich vollkommen verkommen, sondern auch der Kirchhof von einer ganzen Viehherde und mit Geflügel bevölkert sei; auch wolle der Küster, der getrennt von seiner Frau lebe, keinen Schulunterricht geben. Dieser Küster hatte freie Wohnung.

3. Bei der Visitation am 13. Oktober 1578 war der Pfarrer Salomon Hoffmann in einigen Nöten, da eine Eisdorferin im Verrufe stand, den "Drachen" (Teufel) zu halten. Er selbst hatte außerdem die Kirchenbücher unordentlich geführt. Auch die Knabenschule wurde beanstandet, da sie angeblich "wegen der sterbensseuche ein halb jhar" geschlossen worden war. Die Mädchen gingen überhaupt nicht zur Schule.

 

GH Beucha Nr. 92 Bl 67

Gnandstein/ Roda, 27.6. (bzw. 1.7.) 1690: Rüge wider Paul Jungkhanß´ und Michel Kretzschmars Weiber. [Witwe und Weib]

Am vergangenen Mittwoch, als die Leute in den Streit-Wald in den Johannis-Hau gegangen, sei Paul Junkhanßens Frau etwas eher gekommen als Michel Kretzschmars Witwe. Da nun die Kretzschmarn gefolgt und bei der Jungkhanßin ohne Begrüßung vorbeigegangen, hätte diese gedankt, worauf jene, die Kretzschmarn, ihre Kleider aufgehoben habe, der andern den bloßen Hinterteil gezeigt und "sich schmücken heißen". Beide seien hernach in Zank geraten. Michel Kretzschmars Sohn aber sei zum Richter kommen mit Begehren, er solle doch beide Weiber vor sich laden und sehen, ob er sie vertragen könne. Der Richter tut das, erreicht aber nichts. Die beiden Weiber werfen einander wieder etliches vor, und die Kretzschmarn hat die Jungkhanßin dazu noch eine Hure geheißen. Beide Weiber werden vors Gericht geladen und erscheinen daselbst am 1. Juni 1690. Sie gehen wieder aufeinander los und beschuldigen einander u.a., dass sie ihre Mütter verachtet hätten. Als Zeugin anwesend Martin Weißkes Witwe.

Jede der beiden Frauen bekommt 1 neuen ßo Strafe zudiktiert. Nach langer Zurede versöhnen sich die beiden Weiber und wollen alle Feindseligkeiten fahren lassen. Das Gericht droht jeder, die neuen Streit beginnen wollte, dafür 1 n ßo Strafe an.

 

GH Gnandstein Nr. 111 Bl. 80

Gnandstein, 29.6.1735: Georg Syhre, Nachbar und Gerichtsschöppe zu Roda, hat am 21. Sonntag nach Trinitatis den Reyh- und Bierschank gehabt und hat an diesem Tage auch Musik und Spielleute gehalten. Er wurde deswegen vernommen und gesteht, dass während des schweren Gewitters kein Streich mit der Geige getan worden sei, und er habe seine Gäste auch ermahnt, während des Gewitters mit ihm zu singen und zu beten. Ihm wird "der Unfug als Gerichtsperson verwiesen", er wird diesmal mit einer Strafe verschont. Gerichtsersonen: Richter Hans Weißke zu Roda und die Schöppen Georg Peters und Hans Moßdorf.

 

Dem "Geschichtlichen Heimatbuch des Bezirkes Döbeln" von Emil Reinhold, Döbeln 1925 entnehmen wir "Aus dem Sagenschatz der Heimat":

1. Der Teufel holt einen Leisniger Gerber.

Am 22. Januar 1579 abends um 10 Uhr ging Adam Steinhöfer, ein Weißgerber, mit seinem Weibe aus der Schenke zu Fischendorf nach Hause, wurde aber durch einen Sturmwind von der Brücke hinweggeführt und behielt die Frau nur seinen Mantel in den Händen. Er soll sich vorher beim Biere mit einem Schuster aufgelegt und geschworen haben, er wolle sich an ihm noch den Abend rächen oder der Teufel solle ihn holen, was auch geschehen ist.

[Na, hoffentlich hat Frau Steinhöfer, des alten Zechers überdrüssig, nicht ein bisschen "geschubbst".]

2. Die bösen Söhne zu Leisnig.

An der Stadtkirche von Leisnig stand in Stein gehauen ein Mann, der beide Arme in die Seite stemmt. Auf beiden Seiten war je ein Knabe abgebildet, dem eine Kröte aus dem Munde wuchs. Das soll zur Strafe geschehen sein, weil sie ihren Vater angespieen haben.

 

GB Geithain Nr. 133 RB Syra 1583-1670 Bl. 14

Trebishain, 25.6.1584. Richter Michel Titze und Schöppe Jacob Schlichter haben gerügt, dass Michel Peckher und Hans Frenzel mit 4 Pferden und einem Wagen, so sie tags zuvor zu Pegau mit Getreide beladen, am Pfingstmontag nachmittage damit gegen Geithain gefahren.

 

Amt Colditz Nr. 1252 Bl. 36

Heinersdorf, 11. 7.1685? (1695?). Der Amtsrichter von Heynersdorf Hannß Schilling rüget im Churf. Amt zu Colditz, dass Michel Becker, ein Untertan zu Heynersdorf, jünghin Walpurigis in Gegenwart der sämtlichen Gemeinde wegen eines Bettelmannes, den Becker an den Heimbürgen geweisen hatte, auf Vorhaltung darüber zu ihm gesagt habe: "Willstu an mir einen Narren haben, Ich wollte, dass du mir möchtest woanders lecken!" Der Richter meint, dass sein Respect hierdurch sehr geschimpft worden sei und bittet darum, ihn gebührend zu bestrafen.

 

Ebd. Bl.? Jahr?

Heinersdorf: Paul Becker hat ein Gut, das er schlecht oder gar nicht bewirtschaftet. Er lässt es eingehen. Er ist ein tauber Mann, kann nicht hören. Er zahlt keinerlei Current-Steuer und wurde deswegen ausgepfändet, worüber er sich beklagt. Bescheid: Die Gemeinde solle seinen Steueranteil übernehmen, damit Becker "nicht gar ins Gericht kommen möge". Becker ist seit 45 Jahren taub.

 

GH Gnandstein Nr. 112 (1735/36), Bl. 11

10. Nov. 1735: Caspar Junghanß Witwe mit Sohn Hans sollen etwas Futter vom Pfarrfelde geholt haben. Schulmeister Friedrich Meinhardt will es vom Glockenturm aus beobachtet haben. Der Pfarrer Johann Jacob Thryllitius zu Roda bittet darum, von einer Strafverfolgung der Witwe abzusehen.

 

GB Leisnig Nr. 171 Bl. 43b

1591: Simon Haferkorn zu Tragnitz ist vom Barbier Peter Goltze ins Gesicht geschlagen, Schelm und Hudler geschimpft worden.

 

GH Hainichen Nr. 52 (1705-14) Bl. 37

Hainichen, 12.12.1706: Georg Hammers Eheweib Maria klagt gegen Elias Zetzsche, der sie bei Christian Götze schlecht gemacht hat. Er hatte zwar den alten Richter Martin Voigt zu ihr geschickt mit der Bitte, sie wolle ihn nicht vor Gericht verklagen, aber sie tut es doch. Er soll ihr vor Gericht Abbitte tun und eine Ehrenerklärung abgeben. E. Zetzsche erklärt jetzt vor Gericht: Er habe gesagt, ein Mensch, der nicht dankt, wenn man ihn grüße, verdiene den Staubbesen; er habe aber die Beckerin damit nicht gemeint. Die Zeugin Christine Götze erklärt, dass der Beschuldigte mit seinen Worten die Hammerin gemeint habe.

Urteil vom 27.3.1707: Elias Zetzsche leistet der Hammerin christliche Abbitte, gibt eine Ehrenerklärung ab und zahlt die Gerichtskosten sowie 1 neuen ßo Strafe.

 

GH Medewitzsch Nr. 17, fol. 149, Medewitzsch, 21. Okt. 1717:

Hanß Andreas Waldenburg hat die Regina Rudolphin zu Medewitzsch geehelicht. Der Rittergutspächter Johann Dietrich hat am 8. August a.c. (lfd. Jahres) Beschwerde gegen ihn geführt. Waldenburg erklärt jetzt, dass er den wilden Birnbaum nicht geschüttelt habe, er habe im Vorübergehen einen Prügel hineingeworfen und eine Tasche voll Birnen mitgenommen. Er sei der Meinung gewesen, da andere es auch täten, würde es nicht viel ausmachen. Auf Befragen gibt er an, dass Christian Lampe es auch getan habe, der unlängst nach Lucka verzogen sei.

 

GH Hopfgarten Nr. 719 (1768/69) Bl. 36b [FAP-Sign. NWSB]

Syhra, 31.12.1767: Vorgänge auf Christian Gerlachs Hochzeit. Hans Becker von Trebishain gesteht als Zeuge, dass er auf Gerlachs Hochzeit anwesend war, leugnet aber, dass er Julemann des Diebstahls bezichtigt habe, weil dieser vom Musikantenteller einen Groschen weggenommen und dafür einen Dreier hingelegt habe. Die zwei Hochzeitsgäste Heinrich Wagner und (..) Arnold von Elbisbach hätten über seinen Tisch gerufen: "Das ist ein Spitzbubenstreich". Er war auch beschuldigt worden, den Aufwärtern, als sie schliefen, Bier in die Hose geschüttet zu haben, er habe nur ein wenig Bier auf die Gesichter und die Ohren gespritzt. 

 

GB Leisnig 166 Bl. 110b, 1548: Der Pfarrer Magister Hase und der Landrichter Peter Priemer (Altenhof) haben beim Gemeindebier  miteinander gerauft. Der Magister hat dabei einen Stich in den Leib bekommen. Priemer soll gefänglich eingezogen werden, gelobt aber, nicht zu fliehen, was er dann des nachts aber doch tut.

Nachbemerkung: es sei nicht erwiesen, dass Priemer den Magister freventlich gestochen habe. Priemer muss aber das Arztgeld zahlen.

 

GH  Großzössen Nr. 38, Bl. 72-75, Kreudnitz.

12. Mai 1681. Der Schulmeister zu Kreudnitz Jacob Franze contra Hans Dörings Sohn Hans und andere. Der Schulmeister wurde übel beschimpft als Schelm, Dieb, Sauschneider, Bärenhäuter und mit Dreck beworfen sowie mit einem Hammer ins Genick geschlagen. Auch Pancratius Döring befand sich bei der Gesellschaft. Als Söhne des Richters Severin Döring zu Hain werden bezeugt Hans, Severin und Jacob Döring.

 

GB Leisnig 165, Bl. 10b.

1538. Augustin Arnold von Clennen und Donat Profant sind irrig geworden. Arnold hat dem Profant eine hölzerne Kanne an den Kopf geworfen, so dass sie zersprang.

Profant hatte zwei "Kreyhle" am Halse.

 

GH Wolftitz Nr. 1, Bl. 185.

18. Januar 1670. Vorm Gericht erscheint Georg Petzold, Gerichtsschöppe zusammen mit zwei Juden Jockel und Michael Köche zu Prag. Letztere meldeten sich bei ihm zu Dolsenhain. Sie haben auf der Strasse ein "Schreibkästchen" gefunden, das jemand verloren hat. Auf dem Gericht stellt man jetzt fest, dass es sich um einen Augsburger Schreibtisch von schwarzem Holze mit Messingbeschlägen handelt, ziemlich hoch und in einem Futteral steckend. Darauf ein Kaufmannszeichen. Kurz darauf erscheint der Fuhrmann Christoph Tabisch von Zieberle (?) "aus dem preßnischen Amt" und klagt, dass er ein Schränkchen verloren habe. Es stehe dem Grafen von Klösterle zu. Er vergleicht sich mit den Juden wegen des Finderlohns und bekommt das Schränkchen ausgehändigt und zwar in Gegenwart von George Petzold und Paul Gehrt.

 

GB Geithain Nr. 133 RG Syhra 1583-1670 Bl. 17b.

Trebishain 1584. Richter und Schöppen haben gerügt, dass ungefähr nach Michaelis 1584 Merten Becker zu Brißnitz George Dahlens Tochter zu Trebishain im Kaiserhain gepfändet, das Pferd mit heimgenommen hat und es nicht herausgeben will.

Eodem. Haben ferner gerügt, dass um Martini Jacob Steinbach zu Brißnitz eines abends betrunken zu Jacob Berthold in die Mühle gekommen sei, den Müller einen ehrlosen Mann gescholten und sich mit ihm geprügelt habe. Steinbach leugnet aber, des Müllers Weib eine Drachenfrau genannt zu haben.

 

GH Gnandstein Nr. 95 Bl. 7b.

Altenmörbitz, ... 1709. Andreas Lungkwitz von Krossen hat als Dienstknecht bei Jacob Backmann zu Altenmörbitz mit George Teichmanns Tochter Sibylle zu Altenmörbitz in ihres Vaters Wohnstube hinterm Ofen in der Hölle Hurerei getrieben. Sie ist bereits "über die Hälfte" schwanger. Sie geben vor Gericht an, dass sie heiraten wollen, bekommen aber beide 14 Tage Gefängnis aufgebrummt.

[Hölle=Helle=Hellbank=der enge Raum hinter dem Ofen (angelsächs. heal)]

 

GH Gnandstein Nr. 112 Bl. 89.

Gnandstein 18.8.1736. Altenmörbitzer und Rodaer Untertanen haben das ihnen zukommende Kornschneiden sehr übel verrichtet und dabei viel Schaden getan. In Gegenwart des Richters Martin Doberentz und des Gerichtsschöppen Georg Reichert werden die Felder überprüft. Dabei wird festgestellt, dass die Arbeit liederlich gemacht wurde. 15 aufgeführte Untertanen werden vernommen, darunter Hans Junghans, Hans Waldenburg, Hans Zeiner, Michel Backmann. Sie leugnen aber, zu lange Stoppeln beim Schneiden gemacht zu haben.  - Die Herrschaft sieht diesmal von der Bestrafung ab, die Gerichtskosten müssen die Bauern jedoch tragen.

 

GH Wolftitz Nr. 1 (1663-1683) Bl. 335.

Roda, 23.3.1676. Pfarrer Georg Thryllitius zu Roda berichtet, dass jüngsthin Christoph Kretzschmars (+) einzige Tochter mit Thomas Graf Hochzeit hielt (der auch das hinterlassene Haus kaufte). Während des Hochzeitsmahles warf der Bräutigam in Gegenwart des Pfarrers mehrere Male mit Gläsern. Ermahnungen fruchteten nichts, und der Übeltäter verübte weiteren Unfug. Nach Beendigung der Mahlzeit gebot der Pfarrer dem Bräutigam, nach Hause zu gehen.

 

GH Gnandstein Nr. 112 (1735/36) Bl. 90.

Gnandstein, 6.4.1736. Michel Backmann aus Neuenmörbitz klagt vor Gericht darüber, dass er mit seinem Eheweib, des Richters Hans Graichen daselbst Tochter, in Unfrieden leben muss. Er gerät häufig mit ihr in Streit, und sie läuft dann zu ihren Eltern und versäumt die Hausarbeit. Er bittet das Gericht um Hilfe. Am 14.4. wird des Richters Hans Graichen Eheweib zur Sache vernommen, die natürlich dem Schwiegersohn die Schuld zuschiebt. Sie leugnet, dass sie oder ihr Sohn Hans Graichen den Schwiegersohn geschlagen haben! Der Hausgenosse und Schuster Vogel, der bei Graichen wohnt, sagt zugunsten seiner Hauswirtin aus. Das Gericht fordert die Parteien auf, sich zu vertragen; beiden Teilen wird Gefängnisstrafe angedroht, wenn man keinen Frieden hält.

 

GB Leisnig Nr. 172 Rüge beim Landsgericht Fischendorf Bl. 295.

Fischendorf, 11.8.1608. Gestern haben sich Augustin Kiseling zu Zollschwitz auf dem Heimwege in der Kiselingin Holz mit Matthes Papßdorf, Caspar Bergkmanns Knecht, geschlagen. Kiseling erhielt mit bloßer Wehr einen halbglied langen Stich in die Stirn und drei Stiche in die Jacke. Papßdorf bekam eine Wunde so lang |--------| [im Original tatsächlich angegeben] an der Stirn und Laschen [=Wunden] auf der Nase und am Backen. Kiseling berichtet, dass Augsten [Augustin], Sohn von Andre Nitzsche, dem Papßdorf geholfen habe.

 

Amt Rochlitz Nr. 5 1560-1568 Bl. 106b.

Rathendorf, 4.11.1561. Caspar Kellner, Nicol Methe und Georg Liebing haben im Kretzschmar zu Rattendorf gezecht und sich toll und voll gesoffen, und Liebing hat im Hausgang Bendix Liptzsch von Dehlitzsch [Döhlitz bei Rochlitz] niedergeschlagen. Als der Richter in der Schenke erschien, haben die drei Säufer ihn mit Bier begossen und die Krüge nach ihm geworfen. Er trug eine Fleischwunde an der Lippe davon. Die Übeltäter saßen vom 28.10. bis zum 4.11. im Gefängnis und schworen dann Urfrieden.

 

GB Leisnig 170 Bl. 90b.

Ort?, 28.5.1585: Georg Kieseling zeigt an, dass ihm heute Nacht eine Leiter ans Kammerfenster gelegt und 4 Pfühle gestohlen worden sind.

 

GB Leisnig 172 Bl. 67b.

Ort?, 30.1.1604: Augustin Keseling zu Zollschwitz rügt. Augustin Förster habe ihm gestern abend von der Bank gerissen und auf ihn eingeschlagen, fast das Hemd aus der Hose vom Halse gerissen und ihm im Gesichte gekratzt. Beim Weggange habe er eine bloße Wehr geholt, ans Tor geschlagen, den Keseling übel gescholten und ausgefordert. - Förster entschuldigt sich damit, dass er sehr bezecht gewesen sei.

 

GH Gnandstein Nr. 101 (ab 1725) Bl. 1 und Bl. 3.

Altenmörbitz/ Gnandstein, 10.1.1725. Jacob Martin von Schönbach bürtig, Schirrmeister beim Gastwirt Elias Graichen zu Altenmörbitz, hat die Dienstmagd Sibylle Gabler geschwängert, die damals bei Elias Graichen jetzt bei Barthel Klinge zu Bocka diente bzw. dient. Sie gibt an, dass er ihr die Ehe versprochen habe. Jacob Martin ist nicht mehr bei seinem alten Dienstherrn, der aber für ihn gut sagt ... Bl. 3 erscheint die Geschwängerte als mittelste Tochter des Häuslers Michael Gabler zu Oberleuborn(?), 29 Jahre alt, und am 18.1.1725 erscheint vor Gericht Jacob Martin als Hans Martins zu Schönbach ältester Sohn, 23 Jahre alt, Schirrmeister bei Elias Graichen. Er gesteht die Schwängerung ein, nicht aber ein Eheversprechen. Er will und wird die Gabler nicht heiraten. Beide werden wegen begangener Unzucht zu 14 Tagen Gefängnis und zur Tragung der Kosten verurteilt. Wegen des Eheversprechens soll die Kirche noch ein Wort sprechen.

Gerichtspersonen: Richter Andreas Berger zu Altenmörbitz, Richter Andreas Kirsten zu Dolsenhain und die Schöppen Andreas Nöbel und Barthel Curdt.

 

GH Wolftitz Nr. 1 Bl. 178b.

Greifenhain, 21.5.1669. Pfarrer Johannes Graichen beschwert sich über einen Michel Gerth. Dieser sei 1 Jahr nicht zum Tische des Herrn gegangen, er schleppe sich seit 4 Jahren mit einer Witwe Melosine herum, habe des Pfarrers Sohn geschlagen, die Nachbarn beschweren sich über ihn. Michel Gerhardt (Gerth) ist der Eidam der Witwe Anna eines Thomas Trebß.

 

GH Großhermsdorf 89 Bl. 1

Hartmannsdorf, 11.12.1684. Hanß Töpfers nachgelassene Witwe zu Hartmannsdorf und Jacob Linse klagen gegen Anna verw. Jacob Fischer zu Hartmannsdorf, die letzthin zum Gemeindebier den Linse geschlagen und die Töpfer unziemend beschuldigt hat.

Bl. 16b: Vernehmung der Anna verw. Jacob Fischer zu Hartmannsdorf. - Sie hat beim Gemeindebier mit in Georg Töpfers Stube gesessen und mit getrunken. Liese (wohl Linse) habe sich mit seiner Frau gestritten und verzankt. Liese (Linse) habe sie, die Anna, eine Hure und Diebin geheißen. Sie sei darauf an Lieses Tisch gegangen und Liese habe sie weggeschlagen. Die Zeugen Müller, Hans Hermann und Paul Kratzsch sagen jedoch aus, dass die Anna den Liese geschlagen habe. Auch der Richter Georg Müller sagt zu Ungunsten der Anna verw. Fischer aus. Er habe auf dem Tisch gelegen [!] und es klatschen hören. Die Angeklagte muss eine Ehrenerklärung abgeben.

 

GH Gnandstein Nr. 100 Bl. 35.

Gnandstein, 17.1.1724: Martin Weißkes zu Roda Sohn Hans Weißke ist vergangene Heilige Drei Könige beim Richter Martin Ahner zu Bier gewesen und hat dort mit zwei Soldaten, Korporal Schulze und Dragoner Lange getrunken und getanzt. Streit kommt auf, der Dragoner schmeißt dem Hans Weißke seinen vollen Bierkrug ins Gesicht. Er wird von seinem Vorgesetzten bestraft.

 

Amt Borna Nr. 20 Bl. 220

1702: Georg Rauschenbauch von Trages beschwert sich darüber, dass ihm Georg Behner über seine geschüttelten Birnen geritten ist.

 

GH Benndorf Nr. 5 Bl. 70b

(wohl) 1630: Fastnachtstag ufn Abend. Der Schenke Georg Berger mit seinen Söhnen Simon und Merten und sein Weib ist vors Haus gekommen, wo eine solemne Schlägerei im Gange war, bei der auch zwei Fenster eingeschlagen wurden. An der Keilerei u.a. beteiligt: Hans Winckler, Michel Heilemann und N. Raubold.

 

GB Leisnig 165 Bl. 43

(Leisnig) 1539: Donat Profant (Zw.) hat mit seinem Sohne (NN.) den Franz Lehman (Zw.) mit einem langen Messer um den Kopf geschlagen und zu erstechen gedroht.

War gefänglich eingezogen und zahlt 2 ßo Strafe. (Prafants Knecht hatte in Lehmanns Rüben gehütet, und dieser hatte ihn pfänden wollen.)

 

Amt Rochlitz Nr. 5 Bl. 244b

6.8.1563: Am 1.8. hat Clemen Quellmalz von der Leube [Langenleuba] zu Seifersdorf hinter Urban Pechsteins Hof ohne Ursache Andres Weber mit einer "mordlichen Wehr" am linken Ellenbogen eine tiefe Wunde geschlagen und ihm auch ins Gesicht geschlagen. Er wurde auch ins Gefängnis gesetzt zur Abscheu anderer böswilliger Buben. Er saß 13 Tage und leistete dann Urfrieden.

 

GH Medewitzsch Nr. 19 Bl. 40

Pegau 1.5.1720: Hanß Georg Taubert berichtet, dass die alte Todtin einen fremden Kerl zu sich ins Haus genommen habe und sich diesfalls nicht bei der Obrigkeit gemeldet hat. Sie sei deshalb in 1 ßo Strafe verfallen. Am 13.5. erklärt die Todt, dass der Kerl, der bei ihr sei, Hanß Walther heiße und ihre Tochter heiraten wolle. Er sei Freitag vor drei Wochen in Großwischstauden bei seinem Herrn verunglückt und hätte eine böse Hand bekommen, so dass er nicht arbeiten kann.

 

Auszug aus der Chronik von Profen bei Zeitz (1931)

Vom "frembden" wie Einheimischen musste das Nachbarrecht (Bürgerrecht in Städten) erworben werden: 10 Gr. 6 Pfg., der Klein-Nachbar 2 Gr. 6 Pfg.

Beim Umziehen wurde Förderziehgeld bezahlt, die einzelne "Persohn" 1 Gr. 3 Pfg., "Auswärtig Volk" zahlte 10 Gr. 6 Pfg. Der Hauswirt musste zur Aufnahme Fremder die Genehmigung der Gemeinde haben "bei einer halben Tonne Bier Strafe, der obrigkeitlichen Strafe vorbehaltlich". Dieselbe Strafe traf den Nachbarn, der mehr als einen Hausgenossen (Mieter) aufnahm. Fremde durften nicht über Nacht behalten werden ohne Wissen der Gemeinde; Strafe: 1 Tonne Bier. Wenn die Glocke die Gemeinde zusammenrief, musste jeder Nachbar erscheinen, sonst 5 Gr. Buße. Die Sturmglocke läutete bei Feuer und feindlichen Überfällen (30jähriger Krieg). Dann musste der Nachbar antreten mit Gewehr zur Verteidigung oder mit einem Gefäß (Wasser) auf dem Platze (Markt); Strafe 1/2 Tonne Bier. Bei Feuerausbruch sollte der Nachbar "Feuer" rufen; Strafe 1/4 Tonne Bier. Wer zuerst Wasser in der "Döse" zur Brandstelle brachte, erhielt als Belohnung 10 Gr., die dann eintreffenden 6 und 4 Gr. Der Hausbesitzer musste eine oder 2 Leitern in seinem Gehöft haben von 20-30 Sprossen Länge und eine Döse = größeren Wasserbehälter; Strafe: 1 Tonne Bier. Das öffentliche Feuerlöschgerät des Dorfes "Proffen" war: 6 lederne Waffereimer, 2 Wasserschleifen mit Fässern und in jedem der vier Enden 2 lange Gemeindeleitern und 2 Feuerhaken. Pfingsten fand die Begehung der Häuser statt, um die Feueröfen auf ihren Zustand hin zu besichtigen; Schadhafte Öfen kosteten 5 Gr. Strafe. Zum Weidenköpfen musste sich der Nachbar auf Anordnung des Richters zur Verfügung stellen bei 5 Gr. Buße. Der landwirtschaftliche Besitz war vor Schädigungen jeder Art ganz besondere geschützt. Vor Laurentius durfte niemand auf dem abgeernteten Felde hüten; Strafe: 1/2 Tonne Bier. Alles Weidevieh musste dem Hirten überlassen werden bei 5 Gr. Strafe. Der neu angenommene Hirt musste vom Pfarrer bestätigt sein. Der Besitzer der Baustädte im Mühlende, die F r o s c h w e i d e genannt, musste das Gemeinde-Schwein halten. Die Bewohner aus Lützkewitz und Beersdorf, die in Profener Flur Wiesen besaßen, sollten ihr Vieh durch das Dorf treiben, nicht beim Eisberg hin; Strafe 1/2 Tonne Bier. Schadenersatz musste leisten, wer mit seinen Pferden oder anderem Vieh auf fremdes Eigentum fuhr, außerdem als Strafe 1/2 Tonne Bier. Der Kleinhäusler  (Nachbar minderen Rechts) durfte nicht mehr als 1 Kuh und 1 Kalb halten, der Mieter dann keine Kuh, wenn er kein Feld hatte. Ersterer zahlt jährlich zu Pfingsten in die Gemeindekasse von der Kuh 8 Gr., vom Kalb 4 Gr., vom Schwein 2 Gr., von der Ziege 1 Gr. 6 Pfg., von der Gans 4 Pfg., außerdem als Hüterlohn an den Hirten: 4 Gr., 2 Gr., 1 Gr., 9Pfg. und 2 Pfg. Bei Strafe sollten die Gänse vor den Hirten getrieben werden. Geregelt war das Ausgehen zum Grasen auf den bestellten Feldern: Aus einem großen Hause 2 Personen, aus einem kleinen nur eine. Bei nassem Wetter war das Grasen verboten. Das gesammelte Gras durfte der Besitzer kontrollieren. Nach dem Eintreiben des Hirten zu Mittag und Abend durfte niemand mehr fremde Felder betreten. Vor dem Abernten durften nicht Ähren gelesen werden bei einer halben Tonne Bier Strafe; auch das Stoppelrechen war verboten bei gleicher Strafe.

Die Gebühr für das Brauen in Plaschners Brauhaus betrug 6 Pfg., der Fremde zahlte 1 Gr., davon wurden die Gemeindebrunnen geschlämmt und baulich erhalten. Der Kleinhäusler durfte nicht brauen. Gemeindeeigentum war die Gemeindeschmiede, die Baderei und das Gemeindehaus. Besonders bedeutungsvoll für das Gemeindeleben  waren  die  Gemeindeversammlungen zu Pfingsten oder acht Tage vorher, kurz "die Gemeinde" (das Thing der Alten). Der Richter vom Stuhl ließ die Glocke läuten. Wer nicht anwesend war, zahlte 10 Pfg. Strafe oder Bußgeld. Beim Zahlen der Steuern (= an den Rechentisch treten) musste der Hut abgenommen werden. In der Versammlung ging es würdig zu: Keiner durfte den anderen Lügen Strafen oder Beleidigen; Strafe: 1 Tonne Bier. Die Bieraufträger bedienten die Nachbarn. Vom Gemeindebier erhielt jeder Nachbar durch ihn einen Krug Bier, aus dem Schenkfaß beliebig viel. Nach Beendigung der Tagung läutete die Glocke wieder, und der Richter schloß das Gemeindebuch. Er ermahnte die Nachbarn, das Bier, "so noch auf dem Viertel war", in Frieden und guter Einigkeit auszutrinken. Der Nachbar, der bei der Versammlung "freventliche Worte" gebrauchte, wurde doppelt bestraft.

 

Was ist "Quaas"?

Im Amtsblatt des Städtchens Roda in S.-A. war, wie man uns mittheilt, von dem Wirthe Schüler zum Quaase eingeladen worden. Ein Leser, dem das Wort "Quaas" unbekannt war, wandte sich an Brockhaus mit folgendem Poem:

 

"Im "Amtsblatt" ladet poetisch fein

Der Wirth von Roda zum Quaase ein;

Die Einladung sehr verlockend ist,

Doch Quaas mir gänzlich fremde ist.

Schlug deshalb schneunigst den Brockhaus nach

Um mich aufzuklären in dieser Sach´!

Ich such´und suche nach dem Quaas

Ja, sag´ mir Brockhaus, was ist das? -

Wo find´in deinem Buche ich:

Was Quaas ist! - bitte erkläre dich!"

 

Umgehend traf von der Redaktion des Brockhaus folgende Antwort ein:

 

"Quaas - gewöhnlich quas, sprich Kwaß

In Rußland ist´s ein labend Naß,

(S. Brockhaus Konv.-Lex. Bd. X S. 856a)

Doch brauchst zu schweifen nicht so weit,

Gedenke nur der alten Zeit

Wo rings um Roda und weiterhin

Nach Altenburg zu zog sich hin

Der Wenden Heimath, fröhlich, frei:

Da hieß der Kwas - eine Gasterei.

(Die Lausitz-Wenden nennen das,

Was Hochzeitsschmaus ist, einen Kwas.)

Geblieben ist das alte Wort

Noch jetzt bei deutscher Zunge dort. -

Wenn Schüler wieder winkt zum Quaas,

Ihn ja nicht ungenützt verpaß!

Steck´ einen vollen Beutel ein,

Iß, trink´ dort, laß´ es wohl dir sein!

Und ward ganz leer der Beutel dein,

So ist´s  gewiß: der Quaas war fein."

 

Die Redaktion des Brockhaus

 

(Zeitungsausschnitt um 1900)

 

Alles schon mal dagewesen - oder warum schon im Jahre 538 v. Chr. die Genealogie so wichtig gewesen wäre!

Nehemia, der Sohn Hachaljas, berichtet darüber in seinem Buch:  Und diese zogen auch mit herauf von Thel-Melah, Thel-Harsa, Cherub, Addon und Immer, aber sie konnten nicht anzeigen ihr Vaterhaus, noch ihren Samen, ob sie aus Israel wären: Die Kinder Delaja, die Kinder Tobia und die Kinder Nekoda, sechshundert und zweiundfünfzig. Und von den Kindern der Priester:  die Kinder Habaja, die Kinder Hakkoz, die Kinder Barsillai, der aus den Töchtern Barsillais, des Gileaditers, ein Weib nahm, und ward unter derselben Namen genannt. Diese suchten ihre Geburtsregister und fanden keine; darum wurden sie untüchtig geachtet zum Priestertum. (Esra 2, 59-64)

 

GH Prießnitz Nr. 87 Bl. 199

13.12.1674 - Rügen: Am Adventstage haben etliche Nachbarn und Gäste in der Schenke gezecht, darunter auch Daniel PETERS, des Schützen Sohn allhier, der gegen Hans ÖRDTELs Sohn, hier Hans genannt, mit Scheltworten herausgefallen ist, hat ihn einen "Hundsfott" über den anderen geheißen und hat ihm vorgehalten, dass er "uff des v. EINSIEDEL Jagen die Netze nicht richtig stelle", hat ihn deswegen ins Gesicht geschlagen, was ÖRDTEL alsbald dem Richter meldet. 

 

Amtsgericht Geithain Nr. 638 S. 167

Oberfrankenhain, 21.10.1716: Gutsbesitzer Georg KUPFER, Gutsbesitzer Thomas BECHSTEIN und Georg LEGEL sollen am 18.10. unter der Predigt den Backofen geheizt haben [Kirmeskuchen!]. Sie werden alle drei mit Geld bestraft.

 

GB Rochlitz (ohne Nr.)

Oberfrankenhain, 4.3.1716: Anna, Eheweib von Hans HÖHLE, Accise-Einnehmer und Rosina, Eheweib von Michael STEINERT, werden beschuldigt, bei Hans JEHNICHEN bei Nacht 5 Bund Reizholz gestohlen zu haben. Sie streiten das ab und wollen es von Eva, Georg HÖHLEs Tochter, geschenkt bekommen haben. Schließlich schwören sie es, obwohl Eva davon nichts weiß.

 

GB Rochlitz 280 S. 209b

Dienstag nach Palmarum (2.4.) 1588: Jakoff MÜLLER hat zugesagt, seinem Weybe zu befeln (befehlen), dass sie seynen Vatter Veitt in ehren haltte, vnd Ihme das Jenige, So ehr kauffet zu kochen, Ihme auch seyne hembden vnd bettgerethe reynigen vnd waschen, auch sich aller unnutzen wortt enthaltten.

 

GB Rochlitz Nr.?

30.5.1750: Demnach acto Martin LERCHEn, einem Auszugsmann in Gottfried SYHREns Hintersäßerguthe zu Oberfrankenhain, auf dessen selbst eigenes Ansuchen, weil er, wie die Gerichte zu Oberfrankenhain attestieret, auch befunden worden, etwas einfältig und vergeßlich ist, mit Reden und nachdenken sich fortzuhelfen nicht vermag, weder Lesen noch schreiben gelernt, ihme, wie alt er sey, nicht erinnerlich gewesen, ER AUCH DAS GELD NICHT KENNET und diejenigen 300fl. Angeld, die er von seinem Anna Maria 23. August 1749 Gottfried  SYHREn zu Oberfrankenhain verkaufften Hintersäßerguthe erhalten, dem ohnlängst zu Niederfrankenhain verstorbenen Gastwirth Georg HÖHLEn, nachher SYHRE gehörig, ohne hierüber ein Dokument oder Rechnung zu bekommen, ausgehändiget, gestalten Sachen nach, Georg HÖHLE (Nr. 29), ein hiesiger Gerichtsunterthan und Pferdner ... zum Vormund gewohnlichermaßen constituiret worden.  

 

Beier, Adrian. Architectus Jenensis. Neu herausgegeben von Herbert Koch [Erstauflage 1672]. Jena: Bernhard Vopelius 1936, S. 79

Die Geringen Gassen [in Jena] sind diese:

I. ...

II. Um den Marck[t]: Das Roßmarin=Gäßlein ... hinter dem Rathhause, und hat seinen Nahmen nicht von wolriechenden Roßmarin, die etwan bey den Fenstern zur Zierde und zum Geruch stehen, sondern von den ungefegten Latrinen und Cloacen, die nicht wie Roßmarien wolrichen, sondern wie Koth und Unflat übel stincken: Darwieder dienet bißweilen ein starcker Regen, täglich aber das abgelassene und durchfließende Wasser des Leuterbachs.

 

 

Theodor Anckelmann, Johann Albert Fabricius. Inscriptiones Antiqvißimæ & celeberrimæ Urbis Patriæ Hamburgensis. Hamburg 1706, Nr. LI (S. 21).

Heinrich Wichgrebe. Anno Christi 1642. den 27. Tag Decembris ist der Wohl=Edler / Gestrenger / Vester und Mannhaffter Herr / Heinrich Wichgrebe / Königl. Schwedischer gewesener Obrister=Lieutenant zu Fuß / dieser guten Stadt [Hamburg] wohlbestalter sechs=jähriger Obrister=Wachtmeister; Nachdem er in einer Gasterey bey vorsetzlicher Zunöhtigung / Verunglimpffung / und dahero enstandenen Unwesen / unvermuhtlich von vielen insgesamt angesprenget / und zuvor wehrloß gemacht / durch zwey Stiche von zweyen zugleich hieselbst in seinem Vaterlande gantz erbärmlich entleibet / und folgenden 8. Januarii anhero Christlich zur Erden bestättiget / seines Alters 45. Jahr. Dessen abgeleibten Cörper / den nebenst der Seelen Gott genade / allhie die gerechte Rache und fröhliche Auferstehung durch Christum erwartet.

 

GB Geithain Nr. 2114 S. 91

Oberfrankenhain, 4.2.1818: Der Richter Gottfried ÖRTEL hat einen Grenzstein und damit die Grenze zwischen Hermsdorf und Niederfrankenhain verrückt (in der Gäßnitz) zwischen  dem GERLACHschen Holze (Niedergräfenhain) und dem Gottfried HÖHLschen Holze (Niederfrankenhain). Beim Bauhebeschmaus [Richtfest] von ÖRTELs neuem Wohnhaus war es verraten worden.

 

[wohl GB Leisnig]

[Altenhof], 28. Dez. 1603: Hans HAFERKORN beklagt sich, dass Peter ZIEGNER am Gemeinbier ihn einen Schelm und Gänsefresser gescholten und HAFERKORN hätte sich Leute gehalten, die ihm die Gänse zugetrieben. Peter Z. entschuldigt sich damit, er habe das auch erst gehört. Er wisse von HAFERKORN nur Gutes. Gleichzeitig beschwert sich die ganze Gemeinde über Peter Z. Er habe sie gescholten und gesagt, sie wären nicht ehrlich. ZIEGNER dagegen sagt aus, er habe gesagt, sie hielten's nicht richtig, manches zeigten sie an, anderes nicht. Sonst wisse er nichts Unehrliches von ihnen.

 

Carsted, Atzendorfer Chronik, Mitte des 18. Jh.

Vormahls war der Kirchhof [in Atzendorf, ca. 30 km südlich von Magdeburg] beständig offen. Die Schweine wühlten in den frischen Gräbern, und die Schulbediente erzogen ihre Gänse darauf.

 

Der Heimatbote 6 - 1997

Zur Döbelner Pferdebahn (1892-1926)

In Döbeln wars gemütlich,

da gab's 'ne Pferdebahn,

das eine Pferd das zieht nicht,

das andere lief lahm.

Der Kutscher, der ist bucklig,

die Räder, die sind krumm,

und aller fünf Minuten,

da kippt die Karre um.

 

Interessant auch die Fahrgast-Vorschriften:

.... mit der Pferdebahn sollte höchst gesittet und angenehm gemüthlich

gefahren werden. Vertraulichkeiten beim Ein- und Aussteigen,

insbesondere gegen Damen, sind sehr streng verboten!...

(Der Fahrpreis - 10 Pfennigen pro Fahrt - blieb 32 Jahre stabil)

 

Der Heimatbote 5 - 1997

König Johann von Sachsen [1801-1873] sollte einmal während einer Landesreise bei dem Döbelner Bürgermeister Schwabe übernachten. Für die Huldigung des Königs wurden die Fenster der Stadt und der Kirchturm illuminiert und am Turmrundgang ein großes Transparent angebracht. Die Beleuchtung am Rundgang der Kirche sollte den König, der aus Richtung Leisnig/ Großbauchlitz erwartet wurde, überraschen. Es kam aber alles ganz anders. Durch den Wind entzündete sich das Transparent an der Kirchturmbeleuchtung, was zur Folge hatte, dass das Feuer auch den Kirchturm ergriff und dieser somit in hellen Flammen stand. Fürwahr ein feuriger Empfang!

 

GB Rochlitz Nr. ?

Oberfrankenhain, 15.3.1677: Klage Michael ROESSNERs gegen sein Weib und seinen Sohn Hans ROESSNER: "...er müsste wie ein alter Narr sein und im stall wie ein unvernünftig Vieh liegen, da sein Weib ihr gut bette hette ...". Seine Frau kontert: "... vielmehr könnte sie darthun, dass er nicht dazu gebracht werden möge, dass er in sechs und mehr Wochen ein weiss Hembde anzuziehen..."

 

Steuerregister Oberfrankenhain 1661

Michel LEGEL hat in drey Jahren wenig darauf bestellet, ist an Gebäuden sehr eingegangen und liegen 9 Ruten an Feldern wüste, das es zur Helffte nicht angebauet und weil armuths halber vergangenes Jahr er ausgetreten (Steuerstreik!), sich auch nicht wieder gestellen wollen, biss an Erblichen gefällen ihme eine Erleichterung geschehen, 2 volle Schocke 20, gangbare Schocke 17, kaduke Schocke 3.

Sechs Jahre später sieht es noch genau so bescheiden (oder noch schlimmer) aus:

Steuerregister 1667: volle Schock: 20, gangbare Schock: 17, kaduke Schock: 3, "Michel LEGEL lieget 2 Scheffel wüste und müsste sein Hauss mit stützen stemmen, könnte kaum treige (=trocken) darinnen wohnen".

 

GB Geithain Nr.?

Oberfrankenhain 30.6.1715: Der Herr Pfarrer hat angezeigt, dass die Gemeinde den Feiertag nicht heilige. Am heutigen angeordneten Dankfeste seien bei Michel STEINERT, Pächter von Michel VOIGT zu Geithain, Spielleute zusammen gekommen. Michel STEINERT, sowie die Musikanten Michel BEYER und Hans HÖHLE entschuldigen sich, sie hätten nur das Viertel Bier ausgetrunken, das Michel VOIGT der Gemeinde für Steinfuhren zu seinem neuen Hausbau im anderen Gut (Nr. 43) geschenkt hätte. "...sie machten itzo gleich Örthe..." (=Gasterei, Schmauserei). Trotzdem werden sie zu 1nß Strafe zusammen verdonnert.

 

GB Geithain oder Rochlitz?

Oberfrankenhain, 3.9.1715: Michael STEINERT, Häusler zu Oberfrankenhain, hat "gestrigen Tages umb Mittag herum, bey David OERTELs Witwe mehr als eine Backschüssel Birnen aus den Garten entwendet, habe aber eine Backschüssel voll, auf Vorhalten Michel OERTELs, des Sohnes, wiedergebracht. Zeuge: Anna, Michael BÖRNERs Eheweib, der Tochter der Witwe. STEINERT erhält 30gr. Strafe!

 

Jahrgedinge Wyhra 1562: Augsten [Augustin] KUPPE lässt rügen, dass er bestohlen wurde.

Steffan KRAUSSE rügt, dass Peter WERBERs Hund auf dem Feld seinen Ranzen zerrissen hat. Peter KRAUSSE rügt, dass ihm auf dem Feld 3 Mandeln Korn weniger 1 Garbe ausgedroschen wurden.

JG 1564: Barthel KUPPER wurde auf dem Feld ein Pflug weggestohlen. Peter KRAUSSE wurden auf dem Feld die Weiden an seiner Egge zerhauen.

JG 1567:

Barthel KUPPE rügt, dass ihm von seinem Hof weg sein Pflug gestohlen wurde.

 

GB Geithain oder Rochlitz?

Oberfrankenhain, 8.8.1716: David KRALAPP, Hausgenosse bei Hans NÖBEL, rügt, dass Rosina, Michel STEINERTs Eheweib, ihm eine weisse Henne entwendet hätte. Rosina STEINERT gesteht, dass sie die Henne, weil sie in ihrem Garten viel Schaden angerichtet, tot geschmissen und ins sog. Kirchpuschenholz geworfen hätte. Sie muss 30gr. Strafe und 4gr. an KRALAPP zahlen!

 

GB Geithain oder Rochlitz?

Oberfrankenhain, 22.1.1651: Maria, Tochter des verstorbenen Peter AHNER zu Niedergräfenhain (c.c.  Thomas HEIL) mit ihrem künftigen Ehewirt Matthias DIETZE vergleicht sich mit Georg NÖBEL von Oberfrankenhain (Beistand: Peter LEGEL der Jüngere) wegen Kauftermingeldern. "...NÖBEL hat gebeten, man wolle so geschwinde nicht uf ihn zudringen, weil er erstlichen das Gut sehr teuer in Kauf hette, vors andere die schweren Kriegslasten die ganze Zeit ausgestanden, indem er leib und leben darob gewagdt, das es nicht von Soldaten in Brandt gestecket worden, wie leicht geschehen können..."

 

GH Kitzscher Nr. 215 Bl.?

Kitzscher 5.9.1612: Marcus KIRCHNER, gewesener Schäfer zu Beucha, kommt aus dem Gefängnis und leistet Urfriede. Er hatte 1 Schaf und 24 Lämmer entwendet und sie dem Fleischhauer Daniel Winter zu Dreysick verkauft. Er kommt mit verhältnismässiger Strafe davon und wird des Landes verwiesen. Gerichtspersonen: Georg BECKER (Richter), Peter SCHILLING, Augustin FRANCKE und Brosik KÜTNER (Schöppen).

 

Bauer und Gutsherr in Kursachsen (Straßburg 1892 – Neuauflage 2000)

Vor den Pfingstfeiertagen des Jahres 1609 wartete der Stadtschreiber zu Freiburg, der den Verkauf aus den Ratsbrauereien daselbst zu kontrollieren hatte, vergeblich auf die Bauern des in der Meile gelegenen Dorfes Zeuchfeld, welche nach den in den Jahren 1548 und 159O ausdrücklich bestätigten Privilegien der Stadt Freiburg kein "fremdes" Bier schenken durften. Er schöpfte Verdacht, da er sich nicht denken konnte, dass die Bauern diesmal das hohe Fest gänzlich ohne das übliche Pfingstbier feiern wollten, denn die Ernte des vergangenen Jahres war nicht schlecht gewesen, und der Stand der Saaten versprach für dieses Jahr womöglich eine noch bessere. Zudem musste die Gemeinde von früheren Jahren her wissen, dass er, der Herr Stadtschreiber, es mit der Zahlung nicht so genau nahm, sondern gerne bis nach Beendigung der Gerstenernte damit wartete, wo sich dann die verlorenen Zinsen bei der Berechnung des Gerstenpreises sicher wieder einbringen ließen. Freilich - die letzten Gebräude waren, da man dem alten Braumeister wegen vorgekommener Unregelmäßigkeiten hatte kündigen müssen, in den letzten Tagen seiner Geschäftsführung von diesem mit geringer Sorgfalt hergestellt, und - der Stadtschreiber schüttelte sich – offen gestanden ein wenig missraten. Sollten die Zeuchfelder Bauern, denen eine feine Zunge nachgerühmt wurde, davon Wind bekommen und sich ihr Pfingstbier anderswo beschafft haben? - Das wäre denn doch! -

Sorgenvoll verließ der Stadtschreiber die Schreibstube - es war Freitag Abend – übermorgen ist Pfingsten - was thun? Er deutete beim Verlassen des Rathauses dem Ratsfrohn -Stadtknecht - seinen Verdacht an und befahl ihm, womöglich am nächsten Tage noch einen Versuch zu machen, Licht in die Sache zu bringen. - Der Stadtfrohn ist ein pfiffiger Kopf; am nächsten Morgen macht er sich an ein Zeuchfelder Bäuerlein, das zu einigen Festeinkäufen noch zur Stadt gekommen war, und das er von früher her als ein wenig vertrauensselig kannte, wenn ihm der gute Schnaps in der Ratsschenke die Zunge gelöst hatte.

Und richtig! Das Mittel wirkte, und schon beim dritten Gläschen wusste der splendide Gastgeber, was er wissen wollte. Er verabschiedete sich ziemlich kühl von seinem verdutzt dreinschauenden Gaste, der sich nach einigen weiteren Gläschen schweren Schrittes auf den Heimweg machte. Der Ratsfrohn war indes in höchster Eile zum Stadtschreiber gelaufen, welcher seine Ahnung durch die erhaltenen Mitteilungen vollauf bestätigt fand. Hatten richtig die verd ... Bauern ihr sämtliches Pfingstbier - oh, sie wussten, was gut schmeckt - aus Zschorta, Naumburg und Bedra geholt!

- Die Sache war ernst und erheischte schnellen Entschluss. Rasch war der Rat der Stadt versammelt und von diesem nach kurzer Beratung der Stadtschreiber beauftragt, eine genügende Anzahl waffenfähiger Bürger mit Obergewehr und Untergewehr zum Nachmittag des ersten Pfingsttages, und ferner die "ordentlichen" d.h. berufsmäßigen "Schröter" aufzubieten. Es sind dies Leute, welche Wein oder Bier gegen einen gewissen Lohn kunstgerecht in die Keller und wieder heraus bringen.

Es war ein stattlicher Zug, der sich am heiligen Pfingsttage des Jahres 1609 Nachmittags gegen 2 Uhr durch die Strassen von Freiburg und zum Stadtthore hinaus gen Zeuchfeld bewegte. An der Spitze der Herr Ratsbaumeister, dem die Führung übertragen war, und der Herr Stadtschreiber, beide hoch zu Ross und gar prächtig angethan: mussten sie doch, bevor sie zur Exekution gegen seine Unterthanen schritten, den hochmögenden Erb-, Lehn- und Gerichtsherrn zu Zeuchfeld "begrüßen" und seine Bewilligung einholen; denn ohne solche Begrüßung und Bewilligung war der Ausfall rechtswidrig und unstatthaft. –

Dann folgten die wehrhaften Bürger, wohl sechzig an der Zahl, darauf die Schröter, kräftige, breitschulterige Gestalten. Die zum Herausschroten der Fässer nötigen großen Seile, Hebebäume, Rollen und Schrotleitern führten sie auf einem Wagen mit, der nachher zugleich zum Wegschaffen des beschlagnahmten Bieres dienen sollte.

Endlich war man zur Stelle. Der Gerichtsherr empfing die Abgesandten des Rates zu Freiburg mit gemessener Höflichkeit, und erteilte freundwilligst die nachgesuchte Erlaubnis - innerlich die beiden Ratsherren und die ganze Stadt Freiburg mitsamt allen ihren Privilegien zum Teufel wünschend.

Die überraschten und in ihrer besten Festfreude gestörten Bauern versuchen einige Augenblicke Widerstand zu leisten; aber nachdem sie einige nachdrückliche Püffe und Schläge erhalten haben, ziehen sie sich vor der wohlbewaffneten Übermacht fluchend und schimpfend zurück. Die in aller Eile noch wieder vor die Keller des Gemeindehauses gelegten Schlösser werden erbrochen, da die Schlüssel durchaus nicht aufzufinden sind, und unter den sachkundigen Handgriffen der Schröter erblicken alsbald zwei stattliche Fässer das Tageslicht. Die Bürger thun sich unterdes an dem dritten bereits angezapften Fasse - es ist köstliches Naumburger - gütlich, dann wird es nebst den Trink- und Schankgefäßen zerschlagen, während die beiden anderen aufgeladen und im Triumph heimgeführt werden.

"Es ist doch schier unglaublich, was solche Bauern um ein wenig Bier sich für Schimpf und Ungemach auf den Hals laden!" sagt unterwegs der Herr Stadtschreiber zum Herrn Stadtbaumeister. "Ihr mögt Recht haben, Herr Stadtschreiber," versetzt dieser, sich schmunzelnd den Bart streichend, "aber mich will bedünken, das Naumburger war doch so übel nicht, und das Zschortaer und Bedraer wird hoffentlich morgen beim Pfingstschiessen nicht minder munden!"

Und so war es. Der Stadtbaumeister aber that den besten Schuss und wurde Schützenkönig und musste viel Bescheid thun.

 

GH Gnandstein Nr. 112 Bl. 123

Gnandstein, 23.5.1736: Meister Conrad PAPPE, Böttcher zu Gnandstein, bekommt von der Gerichtsherrschaft ein Attest, das ihn davon freispricht, etwas Unehrliches begangen zu haben, weil er die ertrunken vorgefundene Maria KIRSTEN begraben hat. Das Konsistorium hatte angeordnet, dass die Leiche nicht durch den Nachrichter, sondern durch jemand anderen beerdigt werden sollte, und PAPPE hatte das getan. Das Grosse Handwerk zu Kohren hatte ihn daraufhin von Zusammenkünften ausgeschlossen. Das Gericht stellt dazu fest, dass das Handwerk dazu nicht befugt war.

 

Christiansen, Ragnvald. Hamburg. Geschichte einer Stadt, in der viele unserer Vorfahren lebten und wirkten. Bonn: Autor 1999, S. 77-79

1482 fand auf Veranlassung des Administrators des Erzbistums Bremen eine Visitation des Zisterzienserinnen-Klosters Harvestehude nördlich von Hamburg statt. Wohlhabende Hamburger Kaufleute pflegten ihre unverheirateten Töchter dort unterzubringen. Sie setzten den "Klosterjungfrauen" Renten aus, die es ihnen ermöglichten, ein angenehmes Leben im Kloster zu führen. Das widersprach dem Armutsgelübde der Nonnen. Auch sonst stand es mit der Klosterzucht in Harvestehude nicht zum Besten. Als die geistlichen Visitatoren eintrafen, waren die Eltern der Klosterjungfrauen empört. Leicht konnte es mit dem angenehmen Leben ihrer Töchter vorbei sein. Sie protestierten beim Hamburger Rat. Die Bürgermeister Langenbeck und Huge begaben sich zur Vermittlung zu den Visitatoren ins Kloster. Die empörten Eltern folgten ihnen, drangen durch das Tor oder über die Mauern kletternd in den Klosterhof ein und protestierten vor dem Kapitelsaal. Als ein Kaplan des Erzbischofs herauskam, um sie zu beschwichtigen, überschütteten sie ihn mit Hohn. Catharina Arndes, Schwiegertochter eines Ratsherrn, schlug schließlich Kaplan und Visitatoren in die Flucht "durch lichting ... erer Kleider".

Dem entblößten Hintern folgte ein kirchenrechtlicher Streit: Nicht der Erzbischof von Bremen sei für die Visitation zuständig, sondern der Abt des Klosters Rheinfelden. Im übrigen - so die aufgebrachten Kaufleute - habe man in Bergen schon mal einen Bischof erschlagen. Auf Grund des durch eine Wirtschaftskrise ausgelösten Aufruhrs im folgenden Jahr 1483, dem schwersten und gewalttätigsten in Hamburgs Geschichte im Mittelalter, und einer Nachfolge im Amt der Äbtissin verlief der Versuch einer neuen Visitation nach einigem Hin und Her im Sande. Am Ende blieb alles beim Alten.

 

Leipziger Volkszeitung – Datum?

Nach dem 30-jährigen Krieg erlebte die Leipziger Messe einen ungeahnten Aufschwung. Wegen seines guten Geschmacks und seiner schönen Farbe gelangte das Eilenburger Bier in den Stadtschank zu Leipzig, den "Burgkeller". Für die Herbeischaffung auswärtiger Biere waren zwei Leipziger Kaufleute zuständig, die gleichzeitig als Ratsmitglieder fungierten. Der bedeutendere "Bierimporteur" der beiden war der Handelsherr Georg Ulrich Welsch.

Zwischen Welsch und den Eilenburger Bierbrauern gab es ständig Differenzen. Die Schuld lag am enormen Bierverlust auf dem Transport nach Leipzig, den Welsch den Brauern in Anrechnung brachte. Die Strasse nach Leipzig war noch nicht chaussiert, so dass hier Verluste auftreten konnten, aber auch die Fuhrleute sollen tüchtig zugelangt haben. Nur der Beweis fehlte. Daher beschlossen die Eilenburger Brauer am 23.10.1660, dass die Fuhrmänner den Bierverlust zu tragen haben. Die Fuhrleute erkannten den Beschluss nicht an. So zog sich der Streit über Jahrzehnte [!] hin...

 

Kamprad, Leisnigker Chronica 1753

Anno 1232 Zu Sule regnets über eines Bauern Hoff grosse Stück Fleisch, dieses frassen die Hunde und Vögel auf; das übrige aber ward durch der Sonnen Hitze gleich wie ein Eiss gemacht.

 

…Landgraf Conrad in Thüringen, belagert die Stadt Fritzlar, wollte so dann wieder abziehen, es war aber das Weibs=Volk in der Stadt so frech, lief auf die Mauern, huben die Röcke auf, und wiesen den Abziehenden die Posteriora zum Schimpf, das verdross den Landgrafen heftig, er belagerte die Stadt von neuen, bestürmte und bekam sie, da denn kein Mensch verschonet, und die Stadt verbrannt ward."

[Und die Moral von der Geschicht'? Zeig' Truppen deinen Hintern nicht!]

 

… Anno 1565. Anna KITZIGin bekömmt den Staup=Besen, giebt Alex. GELHAR

und Simon PABSDORFen unschuldig an, dass solche sie geschwängert.

 

…Anno 1585: Zu Stacha wird aus einem anderen Dorfe ein Kind zur Tauffe gebracht, gehen so dann in die Schenke, und bezechen sich, unterwegens verlieren sie das  Kind aus den Betten, und vermissen es nicht, biss sie es der Wöchnerin übergeben wollen, da läuft was lauffen kan das Kind zu suchen, finden es endlich im Schnee

erstarret, und wird kümmerlich beym Leben erhalten.

Desgleichen ist auch zu Hochweitzschen geschehen, dass man ein Kind von Weesitz zur Tauffe bringt, und so dann in der Schenke sich lustig machen, hernach aber der Wöchnerin die ledigen Betten gegeben werden, das Kind wird allethalben gesucht aber nicht gefunden.

 

… Anno 1629: Zu Chemnitz ersticht sich einer aus Muthwillen, weil er eine

Probe machen wollen, dass er „feste sey“.

 

Neuer Mildensteiner Erzähler" 1/2002

Kindheitserlebnis von Friedrich Bernhardt: Man schrieb wohl das Jahr 1927, als ich mir bei Klessig am Markt [in Leisnig] einige Schreibutensilien gekauft hatte. Danach ging ich schräg gegenüber zur Drogerie Winkler und schaute mir die Auslagen an.

In der Zeit hatte der Speditions-Pferde-Wagen von Hamm zwischen Klessig und der Apotheke Halt gemacht. Damit sich das Geschirr nicht selbständig macht, hängte der Kutscher die rechte Zugkette aus. Er begann das Expressgut usw. auszutragen und verschwand irgendwo. Es war gegen 17 Uhr (damals fünf Uhr) und die Pferde wurden unruhig, es war ja bald Feierabend. Aus dem Grunde war nun auch der Fußweg stark begangen. Damals hatten höchstens Geschäftsleute Autos. Das rechte Pferd war besonders unruhig, es stapfte herum und hatte sich dabei mit dem Hinterteil dem Fußweg zugewandt. Die Leute schlängelten sich an ihm vorbei. Wie ich mir so in Gedanken das Treiben betrachte, hebt plötzlich der rechte Gaul den Rücken wie einen Katzenbuckel und dann passierte es. Er hatte wohl Blähungen und mit einem mächtigen Pferde-Furz schaffte er sich Erleichterung.

Die Fußgänger, die ja dicht vorbeigingen, stiebten schreiend auseinander. Aber sie hatten Glück, es war nur eine trockene Duftwolke. Alle konnten unbeschadet heimgehen. Ein beherzter Mann schob das Hinterteil des Pferdes wieder in die Spur.

Ich habe bis heute noch nicht wieder ein Pferd sich so erleichtern sehen. Fest steht, dass die Betroffenen damals weniger belästigt wurden als heute von den Autos.

   

Bunte Bilder aus dem Sachsenlande

Ein Musikfest in Dresden im Jahre 1615: Der Kurfürst Johann Georg von Sachsen veranstaltete am 13. Juli 1615 in seiner Residenz Dresden ein Konzert, das in der Geschichte der Musik seinesgleichen nicht hat. Das Konzert stellte eigentlich ein Oratorium vor, in dem die Geschichte des Holofernes abgehandelt wurde. Den Text hatte ein gewisser Mathesius Pflaumenkern verfertigt, die Musik aber war von dem Hofkantor Hilarius Grundmaus

Am Tage Cyrilli, den 9. Juli 1615, fanden sich denn auch 576 Instrumentisten und, ohne die anwesenden Chorschüler, 915 Sänger an dem Orte ihrer Bestimmung ein...

Insbesondere führte ein gewisser Rapotzky aus Krakau in Polen eine 'gräuliche' Bassgeige mit sich, die auf einem Wagen gepackt war, den acht Maulesel zogen, und welche sieben Ellen hoch war. An derselben war künstlich ein Leiterchen angebracht, auf welchem Rapotzky nach Gelegenheit der hohen und niederen Töne, um selbige dem Ungeheuer abzugewinnen, mit dem Bogen auf- und niedersprang...

An dem bestimmten Tage wurde das Konzert aufgeführt und zwar 'hinter dem Finkenbüschlein', um einen Hügel herum...

Aus Besorgnis, dass die ungeheuer starke Bassgeige des Rapotzky doch vielleicht gegen die Menge der anderen Instrumente nicht durchdringend genug sein möchte, ließ der Kantor Grundmaus um die auf dem Hügel stehende Windmühle von einem Flügel zum andern ein starkes Schiffstau spannen, das gleichsam den Kontrabass abgeben sollte und mit einer Schrotsäge gegriffen wurde...

An der Seite des Halbkreises stand eine große Orgel, welche der Pater Serapion mit Fäusten schlug…

Anstatt der Pauken waren kupferne Braubottiche zu den Chören des Stückes zurecht gemacht, und weil diese dem Kantor Grundmaus noch zu schwach zu sein schienen, so befahl der Kurfürst, zur Verstärkung des Paukenschalles etliche Kartaunen (Kanonen) herbeizuschaffen, die gehörig gestimmt und bei der Aufführung selbst vom Oberhofkanonier gelöst wurden...

Unter den Sängern zeichnete sich besonders die berühmte Donna Bigazzi aus Mailand aus, welche mit solcher Anstrengung und Stärke einen Triller schlug, dass sie den dritten Tag darauf starb...

... wobei die singenden Chöre in vollem Ernste gegeneinander in Thätlichkeiten gerieten, indem diejenigen, welche die fliehenden Assyrer vorstellten, von den losen Chorschülern, den siegenden Israeliten, mit unreifem Obste und Erdklößen geworfen wurden, worüber der Kurfürst so lachte, dass er „sich das Bäuchlein halten musste“. Die geworfenen Assyrer konnten nur mit Mühe abgehalten werden, ihren Feinden Gleiches mit Gleichem zu vergelten…

Der Hofkantor erhielt für die Aufführung „fünf Fäßlein Bier“, ein Fäßchen Ungarnwein und 50 Meißner Gülden…

 

GH  Benndorf Nr. 7 Bl. 50

1659: Streit mit dem Pfarrer Joachim Michaelis, der gegen die Anspanner zu Felde zieht wegen der Bestellung seiner Felder. Matthes Weisske stellt fest, dass der Lohn zu gering sei und fordert noch zusätzlich 3 Scheffel Hafer. Der Pfarrer will nur den Ackerlohn geben (2fl 10gr 6pf) und keinen Deut mehr. Abschied: Die Anspänner sollen alle die Arbeit gegen einen vereinbarten Ackerlohn verrichten. Der Pfarrer beschwert sich weiter darüber, dass von den Bauern "nur geringes Kirchenkorn" geliefert würde.

 

 

Anzeiger und Amtsblatt für das königl. Gerichtsamt und den Stadtrath zu Leisnig 1864

.... der gewöhnliche Husten (Katarrh der Luftwege) wird am Besten durch Aufenthalt in mässig warmer (14-16 Grad) und reiner Luft (keine rauchgeschwängerte Schenkluft!) bekämpft, dazu milde einfache Nahrung und als Getränk vorzüglich Milch. Im Winter einen Respirator zu tragen, ist sehr empfehlenswerth, dagegen sind die dicken Halstücher (Cachenez) als Verwöhner verwerflich; besser ist es, den Hals häufig kalt zu waschen und ihn im Sommer bloss zu tragen…

 

…eine mit Seide gefütterte Pudelmütze ist gefunden worden und kann gegen Erstattung der Futterkosten in Empfang genommen werden…

 

…meine Pudelmütze, die treue Begleiterin auf meinen interessanten Reisen nach Frankreich und Italien ist verschwunden. Um stilles Beileid wird gebeten…

 

…Bandwurm beseitigt (auch brieflich) in 2 Stunden gefahrlos und sicher Dr. Ernst in Reudnitz (Leipzig)…

 

… R. F. Daubitz'scher Kräuter=Liqueur.

Wir übergeben nachstehendes Schreiben, welches dem Apotheker F. R. Daubitz in Berlin, Charlothenstr. 19, zugesandt wurde, zu allgemeinen Beachtung:

Schon immer an Verstopfung leidend, gesellte sich diesem Übel und wahrscheinlich durch dasselbe hervorgerufen, seit etwa anderthalb Jahren Blutandrang nach dem Kopfe, mit einem Druck auf das Gehirn, dass ich periodisch meiner Geisteskräfte gänzlich beraubt und nicht im Stande war, meinen Geschäften zu obliegen. Entsetzlicher Kopfschmerz, der in Krampf  ausartete, warf mich dann auf das Krankenlager, wo ich oft wochenlang besinnungslos und dem Tod nahe lag. Drei Ärzte verschwendeten vergebens ihre Kunst an mir – das Übel wurde statt besser nur schlimmer. Da wurde mir von einem Bekannten, welcher in der Broschüre über den Daubitz'schen Kräuter=Liqueur unter dem Titel "Was sind Hämorrhoiden u.s.w." die Symptome angegeben gefunden hatte, die sich bei meiner Krankheit gezeigt, gerathen, den genannten Liqueur zu versuchen, was ich zu meinem grossen Glücke auch that. Anfangs wollte derselbe nicht wirken, bei fortgesetzter Anwendung aber blieben die wohlthätigsten Folgen für meine Verdauung und Stuhlabsonderungen nicht aus, mein Kopf wurde allmälig freier und gegenwärtig nach einem vorschriftsmäßigen Gebrauche von 2 Monaten bin ich durch den Daubitz'schen Kräuter=Liqueur so vollständig von meinen Leiden hergestellt, dass ich meinem Geschäfte wieder ungestört vorstehen kann. - Ich bezeuge dies dem Herrn Erfinder in dankbarster Anerkennung und empfehle gleichzeitig jedem ähnlich Leidenden diesen Liqueur auf das Wärmste.

Berlin. Rudolph Hetzer, Vergoldermstr., Leipzigerstr. 125.

 

…3 Thaler Belohnung erhält Derjenige, welcher mir Den namhaft macht, der mir meinen Hund erschlagen hat. Christoph Jakob in Eichardt.

 

Chronik von Oberfrankenhain

Früher war in der Kirchgemeinde Oberfrankenhain eine "Cantorei" gewesen, ein Verein von Gemeindegliedern, welche zu hohen Festen Kirchenmusiken aufführten. Mochten sie auch ihre Violine nicht meisterhaft gestrichen oder ihre Posaune nicht als Virtuosen geblasen haben, von den Pauken nicht zu reden, so war es doch immerhin eine schöne Einrichtung, und die Gemeinde konnte es noch gar nicht verwinden, dass, wie es scheint, durch die Schuld des früheren Lehrers, dieser Verein sich aufgelöst hatte. Die alten, defekten Pauken und Posaunen auf dem Chor erinnerten ja auch nach jedem Sonntag daran. Man bat den neuen Lehrer, er möge dieses Institut wieder aufrichten. Dies ging freilich nicht, da die Spieler der Instrumente teils abgestorben waren, teils in ihrer Kunst erhebliche Rückschritte gemacht hatten, auch Nachwuchs nicht vorhanden war. Somit begnügte man sich damit, einen Männergesangverein zu gründen, welcher sich die Aufgabe stellte zu hohen Festen und beziehendlich bei Leichen kirchliche Gesänge aufzuführen. Mag der Verein gedeihlichen Fortgang haben!

 

Materialien zur Großenhainer Stadtchronik, Carl Gottfried Theodor Chladenius, Pirna 1788 S. 140

1756. Im Anfange dieses Jahres ward mittelst eines königlichen Generalis, im ganzen Lande die öffentliche Kirchenbuße abgeschaft, welche alhier in Hayn das letzte mal vor dem Brande 1743 am 12 Sonnt. n. Trinit. von zween Unverehligten ausgestanden worden. Um der Nachkommen willen merke die Art dieser Büßung an: Nach der Predigt knieten die Liebenden an die Stuffen des Altars, und wurden ihre Namen bey der Vorbitte für die Communicanten, mit Erwähnung ihrer Unzucht und des dadurch der christlichen Gemeinde gegebenen Ärgernisses usw. abgelesen. Das beängstigte Paar zerfloß vor Schaam in Thränen, und musste zuletzt um den Altar gehen. Eine mehrmal Geschwächte musste unter der ganzen Predigt knien, und nachmalen öffentlich beichten.-

O Weisheit des Fürsten und seiner Rathgeber, die diese Seelentortur abschafte; denn es ist eine allgemeine Bemerkung der Gerichtshöfe, dass seit dieser Zeit weniger Kindermorde und Abtreibungen der Leibesfrüchte verübt worden.

 

Heinrich Ferdinand Bellger, Historische Beschreibung der Stadt und des Schlosses Colditz in älterer und neuerer Zeit, Leipzig 1832

Zschadraß, 1. Juli 1790: Der Häusler Kretzschmar wollte in Zschadrass ein Fuder Heu holen und fuhr auf der Wiese etwas rasch, wobei der Wagen auf einen Heuschober gerieth und umfiel. Die auf dem Wagen sitzende Magd, Rosine Lippold, wurde hierbei so beschädigt, dass sie am 3. d.M. starb.

 

M. Schubert, Chronik der Kirchengemeinde Domnitz-Dalena im Saalkreis

Am 4. November 1697 ist der junge Pastor Bernstein aufgebracht über eine bei Anspänner Andreas Hennig gefeierte Hochzeit: Auff der Hochzeit ist es sehr übel zugegangen, ich wurde verspottet, worüber ich doch mich freuen könnte. Die Weiber haben auf den Bäncken Schwesterschafft getruncken. Die Jungen Gesellen truncken am hellen lichten Tage auff öffentl. Dorffe Gesundheit bey Trompeten Schall und Schüssen und dergl.

 

… 1610 bezog Hans Stahl aus Wettin den Domnitzer Gasthof, wurde aber sogleich schwer krank, verlangt, obwohl sonst unkirchlich, das H. Abendmahl und starb im November. Eine solche Leichfeier mit Lachen und Reden vor und nach dem Begräbnis hatte Pastor Vopelius sein Lebtag nicht gesehen. "Es ist auch ein Spielmann mit einer fidel und einer pfeiffen den abend da gewesen und sich hören lassen. Die erste strafe Gottes war, dass denselben abend zwischen 9 und 10 ihnen 2 pferde aus dem Stalle gestohlen und dafür eines Kerners, so da gewesen, sein pferd stellen gelassen wurde.

 

…1620 um Neujahr wollen die von Bernburg die Bilder sampt den Altar aus der Kirchen zu Schloss Alsleben mit gewehrter Hand nehmen. Die Eingepfarrten stellen sich auch zur wehre, gerathen gegen einander in streit, das etzlich tod und viel sehr beschediget werden. Ward in der güte beygeleget.

 

…Als dann die Wogen des Kriegs sich nach und nach legten, musste man, um die Kinder nur einigermassen schulisch zu versorgen, sich mit minderwertigen Schulmeistern begnügen. Erst 1648 wird ein custos Matthes Geyer erwähnt. Dieser war anfangs mit dem Leutnant Johann Wendtland, von 1647 bis 1652 Pachtinhaber des Hofes Domnitz, gut Freund, denn dieser stand beim Töchterlein Pate. Aber beim Pfingstbier 1649 erzürnten sie sich, der Pächter warf dem Küster einen Topf an den Kopf und verlangte von Pastor Hoffmann, er solle den custos abschaffen, sonst käme er nicht mehr zur Kirche. Bald darauf war eine Hochzeit, "darbei Wendtland seine manheit sehen lassen, den Schulmeister Matthes Geyern aus hinterm Neid und mutwillen erschiessen wollen, etzliche schrot in linken arm geschossen und verderben wollen, am 29. Junij. Ist aber wieder geheilet.

 

KB Colditz 1645-1679 - Memorabilia 1645

22. Octobr. haben Merten SPARSCHUCH und Merten HAUGKs Witwe, so sich heimlich mit einander verlobet, auff der Pfarr sich los gesprochen, und der Arbeit wegen, so er ihr verrichtet, sie sich erkleret, ihm 5. fl. wen man sie getrauet zu geben, er aber begert 10. fl. da er doch specificiert 21. fl. - 5. fl. könne er nicht nemen für die arbeit, oder wolle sie es auff ihr Gewissen hin nemen wolle er es ihr gar erlassen. Da sie gefraget war, ob sie ihm was zugesaget, antwortet sie Nein. So mag ich sie nun auch nicht haben, war seine Gegenantwort.

 

GH Gnandstein Nr. 102 Bl. 31

Gnandstein 26.3.1726: Andres GERTH, Nachbar und Kirchvater zu Dolsenhain, beschwert sich über den Dragoner Georg TASCHENBERGER, der bei ihn in Quartier lag, aber wegen etlicher Händel zu einem anderen Bauern verlegt wurde. Der Dragoner ist wiederholt über GERTHs Wiese geritten und hat diese bei dem leichten Boden ziemlich ruiniert. GERTH habe den Dragoner zur Rede gestellt, von diesem aber nur höhnisches Lachen zu hören bekommen. Die Angelegenheit wird vom Gerichtsherren v. EINSIEDEL an den vorgesetzten Offizier des Dragoners nach Penig gegeben, der in einem Antwortschreiben erklärt, dass er den TASCHENBERGER exemplarisch bestrafen werde.

 

GH Hopfgarten Nr. 183 1580-1602

(Ohne Jahr): Das "Einlegen von Bieren betreffend". Die Gemeinden Hopfgarten und Elbisbach werden in ihrer Auseinandersetzung mit der EINSIEDELschen Herrschaft vertreten duch die "ehrwürdigen Herrn Clemen WINDISCH und Liborius ZORN, Pfarrer zu Niedergräfenhain und Prießebitz [Prießnitz]. Die 24 Elbisbacher dürfen jährlich zu 7 Malen Bier auflegen, die 12 Hopfgartener 7/4 Faß. - Bei Hochzeiten kann der Brautvater ein Faß fremdes Bier kaufen, wenn die Hochzeit auf 4, 5 oder 6 Tischen [à 12 Personen] gefeiert wird, bei Hochzeiten auf 1, 2 oder 3 Tischen kann der Brautvater Bier holen "wo er will",

 

Aus einem Gerichtsprotokoll des "Hochadeligen herrsch. Hauptmannes von EGIDY" (Rittergutsbesitzer in Badrina über drei Generationen hinweg) vom 16.08.1754:

Es erschienen: Denunciant Gottlob RICHTER, Dienstknecht auf hochadligem Herrenhof, und Denunciant Johann Ernst REICHE, Pachtschneider allhier in Badrina.

"... dass die Denuncianten zur angegebenen Zeit in Kleinpfingsten gegen abend, weil er (Reichel) ihn vorher bey deren Kleidern angepackt und in die Stube hineingezerret, alsdenn habe er ihn auch auf die Bank gesetzt und seine Bezahlung urgiert. Sich auch gestellet, als ob er ihm die Kleider ausziehen wollt, allein es wäre seine Kraft nicht gewesen, weiter habe er ihm nichts getan. Arg habe ihn Reiche in der Stube herumgestoßen, dass ihm das Blut aus dem Halse herausgelaufen, und arg habe ihn Reiche mit dem Kopf an die Mauer angestoßen. Johann Michael BAATZ und Andreas BULLKOPF beiderseits von hier hätten es mit angesehen ... Auf vieles Zureden und zur Vermeidung aller Weitläufigkeiten gesteht red. Denunciant das Verbrechen ein." R. erhielt vier Tage Gefängnis oder 17 Tage Handarbeit.

 

Konrad Knebel, Geschichte der Stadt Dippoldiswalde bis zum Jahre 1918. Dippoldiswalde: Carl Jehne 1920, S. 1-38. Nachdruck in: Gross, Günther (Bearb.). 775 Jahre Dippoldiswalde 1218-1993. Dippoldiswalde: Lohgerber-, Stadt- und Kreismuseum 1992, S. 13.

Der Dachraum [des Rathauses zu Dippoldiswalde] enthielt den Tanz- und Tuchboden, wo vom 16.-19. Jh. Feste und Tänze abgehalten wurden und sich die Verkaufsstände der Tuchmacher befanden. Im Dachraum wurde wohl die Küchen- oder Garbude mit Bratspießen und sämtlicher Kücheneinrichtung aufbewahrt, die im ganzen an Jahrmärkten und Festen an einen Fleischer zur Aufstellung und zum Betrieb auf dem Marktplatze, ferner zu Hochzeiten und Hausfesten in Haushaltungen gegen ein Benutzungsgeld verliehen wurde, aus der man auch einzelne Geräte verborgte. 1627 musste David Fleischer mit 6 Groschen Buße belegt werden, weil er zu Jungnickels Hochzeit die Küchenbude hatte einreißen helfen, ein derber Hochzeitsscherz!

KB Colditz 1570-1579, Taufen 1573 Nr. 54

6. Augusti [Vater] Andreas WIEDMANN ein Kerner [Kärrner] Margaretha [Mutter] Merten OTTO, Barthel STEUDE, Eva HENin [Paten]. Fuit filius [es war ein Sohn], aber der narr wußte nicht wie das kind solt heissen ist auch mir hernach nicht angezeigt worden.

 

DZfG Sign 5461A Toßdorf, Rochlitz, anno 1595

Hans MICHEL und Michel APITZ werden mit 5 Groschen Strafe belegt, weil sie auf Caspar WERMANs Kindtaufe einander nach den Mäulern geschlagen.

 

GH Benndorf Nr. 8 Bl. 31

4. Oktober 1672: Georg BERGER zu Benndorf erklärt, dass ihm heute zur Nacht großer Schaden erwuchs und zwar im Kraut am Buchendorf'schen Weg neben des Pfarrherrn Felde. Der Gerichtsschöppe Georg HÄRTEL hat heute zwei Pferde in Jacob WEIßKEs des Älteren Kraut angetroffen, hat sie gepfändet und in die Gerichte geführt. Es sei zu vermuten, dass diese Pferde den Schaden anrichteten. Das Gericht nimmt eine Lokalbesichtigung vor und schätzt den Schaden. Die Pferdespuren führen zu CROMMENs Gut hin. 

 

GB Amt Wurzen Nr. 1, Bl. 93

Kühren 22. Juni 1605: Jacob WENDT zu Wurzen contra Hans MUCKERn aus Kühren. WENDT klagt, dass ihm der MUCKER im verschiedenen Jahr nach Halla geführt habe. Unterwegs wurde zu Clazen (?) [Glasten?] das Faß geöffnet und "darauß gesoffen. Hernach hatten sie es in Halla nicht nehmen wollen vndt wehre also umb Drittentheil an der Kuffe bier kommen. WENDT soll einen Gerichtsschein von dem Ort. Clazen bringen mit der Anerkenntnis, dass man das Gefäß geöffnet habe. MUCKER sagt, der WENDT sei ihm noch 2gr. Fuhrlohn schuldig.

 

GB Geithain Nr. 133 RG Syhra 1583-1670 Bl. 31b

Trebishain, Mittwoch nach Margarethe 1586: Der Richter hatte im Vorjahre auf Befehl des Erbherren Wolf FRENTZEL wegen seiner Beziehungen zu einer Magd zur Rede gestellt und war von ihm beschimpft und geschlagen worden. Wolf FRENTZEL ist nun verstorben.

Eodem: Wolf FRENTZEL hatte am 17. Mai 1586 in George DAHLEns Holz im Kaiserhain Reiser gehauen und war dabei ertappt worden. Der Schaden wurde auf 3 Groschen geschätzt. Ist durch FRENTZELs Tod erledigt."

 

Etwas aus der eigenen Kindheit – Thema „Tauchschern“

…Ja, die alten Zeiten kommen wieder (wenigstens in der Erinnerung)! Wir haben "Knallschlüssel" gehabt. Das waren hohle Schlüssel, die mit mehreren abgeschabten Streichholzköpfchen "gefüttert" wurden. Der Schlüssel wurde mit einem abgefeilten Nagel verschlossen und beides, Nagel und Schlüssel mit einer Bindfadenschlaufe verbunden. Bordkanten eigneten sich ganz herrlich für das Auslösen der Mini-Explosionen. Dann gab es noch "Knallschrauben", große Maschinenschrauben mit Muttern, in deren Gewinde auch Streichhölzer abgeschabt wurden. Das Ganze wurde dann mit großem Elan auf die Pflastersteine geschmissen. Großer Frust: ICH kam mit den Knallschrauben nie klar! Dann hatten wir Pusterohre aus Glas (!!!), die wir mit Fensterkitt verschlossen, um damit bevorzugterweise auf Mädchenbeine zu zielen - die wir meistens auch trafen, denn diese Rohre waren recht zielgenau. Da wir aber die "Kleinen" waren, mussten wir vor den Mädchen oft fliehen, wobei die gläsernen Pusterohre gern zerbrachen. Einmal hatten große Jungs von einem Schraubstock eine gesamte Kurbel mit Gewinde auf die Straßenbahnschienen gelegt und die "Elektrische" zum Entgleisen gebracht. Das war aber dann schon kein Spaß mehr, und wir "Kleinen" haben mächtig Sch... gehabt, dafür auch zur Rede gestellt und bestraft zu werden.

Kennt ihr denn noch die fürchterlichen braunen Strümpfe, die mit einem "Leibchen" hielten oder besser: nicht hielten, denn sie verdrehten sich ständig? Ja, und wenn der Rotdorn blühte, durften wir barfuß laufen. Wir gingen dann täglich zur täglichen Rotdornkontrolle in die Arnoldstraße, bis es endlich soweit war. War dann aber der Tag mal zufälligerweise ein sehr kalter, dann wurden die Erwachsenen "vertragsbrüchig", was wir nicht kapierten ... Und wenn wir dann barfuß laufen durften, machten wir uns einen großen Spaß daraus, in die frischen grünen "Häufchen" der paar Hühner, die die Oma im Hinterhof hielt, zu treten, und zwar so, dass es zwischen den Zehen so richtig "herausquatschte" - ach, was waren wir für herrlich dreckige, fröhliche und zufriedene Kinder! Und... was schmeckte das Leitungswasser doch so herrlich, wenn wir "kochgar" erhitzt waren.

Gerne höhlten wir (Kümmel-)brötchen aus und tranken dann das frische Wasser aus diesen "Bechern". - Meine Leipziger Zeit endete 1955, als wir bei Nacht und Nebel und illegal "abgemacht" sind. Leipzig - Ostberlin - Westberlin - Frankfurt/ Main. Von Berlin nach Frankfurt mit der großen 4-motorigen Super-Constellation, ich war mit knapp 11 Jahren King! Die Stewardess wollte mir eine Tageszeitung reichen, entschied sich aber beim genaueren Anblick meines Milchgesichtes doch für eine Ausgabe von Micky Maus und Donald Duck. Ich habe das Heft verschlungen. Die Geschichte von Dagobert Duck und der Panzerknackerbande kann ich noch nach 46 Jahren erzählen...

 

Stadtbuch Pegau 143 - Bl. 462b – 17.11.159(6):

Vorm Rat zu Pegau erscheint Georg WUNICKER. Er stellt fest, dass er von 1555 bis 1575 das Schulmeisteramt zu Pegau inne hatte und dass er von 1575-1593 die Verwaltung des geistlichen Einkommens hatte. Er will sein Leben auch in Pegau beschließen. Er ist mit Kindern gesegnet und will ihnen einen guten Namen hinterlassen. Deshalb bittet er den Rat auch um ein Dienstzeugnis, das ihm auch ausgestellt wird.

 

Altonaer Nachrichten vom 25. September 1872 :

Ein furchtbares, bis jetzt noch nie dagewesenes Duell hat kürzlich in Amerika stattgefunden. Zwei Musikanten in New York, von denen der eine den anderen schwer beleidigt hatte, haben sich auf Pianinos geschlagen. Der Kampf hat 48 Stunden gedauert. Ohne Essen und Trinken, ohne auch nur eine Minute zu pausieren, haben die beiden Widersacher während dieser ganzen Zeit auf ihren Instrumenten herumgedroschen. Tanzstücke waren dabei ausgeschlossen. Einer hat 580 Mal hintereinander das Miserere aus dem Troubadour gespielt. Als er es zum 581sten Male herunterorgeln wollte, fiel er bei den ersten Tacten wie vom Blitz niedergeschmettert, todt zu Boden. Der zweite der Duellanten hat nach dem nächsten Spital gebracht werden müssen und befindet sich in Lebensgefahr. Sämtliche vier Zeugen legen Symptome einer beginnenden Geisteszerrüttung an den Tag. Die Instrumente sind vollzählig, was man 'zerdroschen' nennt.

 

Sterberegister Roda bei Greifenhain 1674 Bl. 379/ 380

Georg Kretzschmar, ein alter, schwacher und siecher Mittnachbar, wurde des nachts am Sonntage vor d Kirchmesse mit einem unverhofften Schlagflusse überfallen, darvon alle gliedmasse gelähmet, Die Sprache gehemmet, und die Sinnen verlohren gegangen, in welchem elenden Zustande Er den Kirms-Montag zugebracht, und den Dienstag drauf, war der 6. Octobris, früh kurtz nach 9. uhren, sanfft und seelig ohne einzieges Zucken auf seinem Erlöser, dem Er durch fleissieges gebeth zuvor seine Seele zu treuen händen befohlen gehabt, eingeschlaffen, seines alters 64. Jahr, 36. wochen, 1 tag, und etliche weniege stunden. Ist begraben worden dem 8. Octobris, war der Donnerstag in der Kirche, mit einer Abdanckung und Leichen=Predigt.Zum Leichen=Texte hatte er vorlängst begehret Die Worte Jacobs, die Er für Pharao geredet, ex Genes. 47, v. 9. Wenig und böse die zeit meiner wohlfahrt, und langet nicht an die zeit meiner Väter. Welches sonder zweifel nicht ohne erhebliche Ursachen geschehen. Zur Abdanckung aber wurde gebrauchet, als ein Fundamentu, die Wort Ben-Syra: Senex in domo signum bonum in domo est, Ein grawes Häupt ist ein gut Zeichen in einem Hause. Geschah darümb, weil man sagte; Der Sohn Hanss, bey dem der Vater sich aufgehalten, habe diesen alten unvermögenden Vater so übel versorget, dass Er Ihn nur, als wie ein Vieh, in einem stalle auf bloßem strohe liegen, und mit einem geringen oberbette zudecken lassen, daher es kommen, weil Er aus schwachheit & natur, salva venia sit dictu, sein Wasser nicht mehr halten, und schlechte wartung erlangen können, endlich maden unter Ihm gewachsen seyn sollen, sol auch sonstig in Kind=schuldiger Verpflegung und Wartung vorher schlechten fleiss und sorgfalt habe sehen lassen.

Ists wahr, so verzeihe es Ihm und den Seinigen  Gott, gebe er Ihm recht zuerkennen, und zu, auf d Er hier und dort ewig in d Gnade Gottes lebe, und nimmer mehr den fluch des 4ten und ander gebothe fühlen möge, umb Jesu Chri willen. An meinen Ermahnung und Erinnern, Warnung und straffen hat es nicht gemangelt, Sol auch mit(?) Gott Damit noch ferner fortgefahren werden, alleine Gott, regiere du d hertz u. hilff, der seelig werde, Amen!

 

GH Prießnitz Nr. 87 Bl. 167

2. Juni 1674: Im November führte Martin WERNER Klage darüber, dass er von Jacob WERMANN in des Richters Hause ohne Ursache geschlagen worden sein "bis auf die Blutrunst", was auch von Gerichtspersonen besichtigt worden sei. Jacob WERMANN wird über diese Tätlichkeiten vernommen, weiß aber nichts auszusagen, da er trunken war, er bittet um eine gelinde Strafe. Urteil: 1 neues ßo.

Dazu kommt 1 Tlr. Gerichtskosten. Voraussetzung ist, dass der Gerichtsherr v. EINSIEDEL mit dieser Strafe einverstanden ist.

 

Nossener Anzeiger 22/1863

Bekanntmachung - betreffend die Maikäfersuppe, als eines vortrefflichen, gesunden und kräftigen Nahrungsmittels. Ohngeachtet in alter und neuer Zeit von namhaften Ärzten auf dieses Nahrungsmittel ist aufmerksam gemacht worden, so gibt es doch noch viele Leute, welche dasselbe verachten, ja sich für befugt halten, darüber zu spotten. Deshalb hält der Unterzeichnete es für seine Pflicht, von Neuem diese Benutzung des allerdings als eine verderbliche Landplage sich geltend machenden Thieres zu empfehlen. Die Maikäfersuppe wird bereitet, wie die Krebssuppe. Die Käfer, von welchen man 30 Stück auf eine Person rechnet, werden, so wie sie gefangen oder in Honig aufbewahrt sind, gewaschen, dann in einem Mörser gestoßen, in heißer Butter hart geröstet, in Fleischbrühe aufgekocht, durchgeseiht, beliebig gewürzt und hinreichend gesalzt und über geröstete Semmelschnittchen angerichtet. Die dazu bestimmte Fleischbrühe kann dünn sein, denn sie wird durch die Kraft der Maikäfer so vorzüglich, dass selbst verwöhnte Gaumen sie schmackhafter und kräftiger finden, als Krebssuppe. Nur Vorurtheil kann dieses treffliche, namentlich für sehr entkräftete Kranke, z.B. Nervenfieberconvalescenten äußerste wohltätige Nahrungsmittel fernerhin noch geringschätzen.

Bezirksarzt Dr. Groh

 

 

Stadtgericht Pegau Nr. 139 Bl. 364

Freitag nach Allerheiligen 1569: Vorm Rat der Stadt P. erscheinen die Herren Kämmerer Hans GROS mit seinem Weibe Gertraude, die zunächst Simon FULHART als Vormund zugeordnet bekommt. Sie erklärt, dass sie ihrer Tochter Ursula zu Luckau deren Großmutterteil folgen lassen müsse. Die Großmutter ist die Nickel HENNICKE. Da die Tochter ihr aber ungehorsam geworden sei und gegen sie gehandelt habe, bestimmt die Mutter, dass die Tochter nach ihrem Tod von ihrer Gerade nicht mehr als 2 neue ßo haben solle. Die Gerade soll ihren beiden gehorsamen Töchtern NN. zukommen.

 

Stadtgericht Pegau Nr. 140 Bl. 87

27.11.1573: Balthasar RULING aus Neuenburg hat dem Otto HELREGEL nachgesagt, er sei in Jennemarck aus der Feldschlacht wie ein Schelm davongelaufen. Jetzt bekennt RULING vorm Rat, dass er daran Unrecht tat und widerruft seine Anschuldigung.

 

ebd. Bl. 291

5.7.1577: Frantz SPRINGER beschimpft in des Herren Magister Bernhard HEROLT Behausung den Stadtrichter Simon FULHART "vor einen ehrlosen Mann, Schelm und Bösewicht". Jetzt widerruft er öffentlich und bittet um Verzeihung. Der Rat der Stadt verfügt, dass er sich binnen 14 Tagen erklären soll, ob er von Pegau wegziehen oder "seine Verbrechung im Gefängnis verbüsen" will, oder aber mit einer Geldstrafe sühnen will.

 

Stadtgericht Pegau Nr. 141 Bl. 230b

18.10.1583: Gebräuche des Gerberhandwerkes zu Pegau und eine Ausnahme von der Regel für Andreas HORTLEDER. (Jeder Geselle, der Meister werden will, muss

zuvor 2 Jahre wandern und auch ein Jahr "muthen"  [nachsuchen].) Dem Andreas HORTLEDER wird beides erlassen in Ansehung seines Vaters und Großvaters, die der Stadt viel gedient und nützlich gewesen sind. Kommende Weihnachten soll ihm "das Handwerk gereicht werden". Er will dabei der Innung für den Erlaß 30G. zahlen. Unterschrieben ist der Text von Simon FULHARD und Johann GLESER.

 

Stadtgericht Pegau Nr. 142 Bl. 2

Januar oder Februar 1587: Schreiben des Rates zu Lützen. Man hat erfahren, dass die "Jungfraw Schul" zu P. neu besetzt werden soll und empfiehlt als Lehrerin Maria verw. Stadtschreiber Georg RAUSCH zu Weißenfels, die sich als Vorzeigerin dieses

Empfehlungsschreibens beim Rat der Stadt P. melden wird.

 

[Aber…]

 

ebd. Bl. 61b

27.11.1592: Zeugnis für die Jgfr. Schulmeisterin zu Pegau. Sie ist unfleißig und liegt mehr ihrem Brauen und Schenken, sonderlich aber ihren "spinaryb"(?) [wohl Spinnarbeiten] und Leinwand bleichen, denn der Schule ob. Manche Eltern halten ihre Kinder deswegen der Schule fern!

 

ebd. Bl. 82

1.5.1588: Meister Egisius SCHIEFERDECKER hat sich ohne Vorwissen und Erlaubnis des Rates von hinnen begeben und wird jetzt bei Verlust seines Bürgerrechts aufgefordert, sich wieder einzustellen und seine Schulden zu bezahlen. Er war zum "Hackenschützen" erwählt worden. Er soll sich auch "mit eynem guten Spanisch rohr gefasst machen". [es steht ihm also wohl eine Prügelstrafe in Aussicht]

 

ebd. Bl. 135b

19.6.1588: Hans ZIMMERMANN, vormals Müller zu Ragun, hatte Anna SCHKORLOB, Bürgerstochter zu Pegau, die Ehe versprochen. Er heiratet sie aber nicht und muss ihr wegen gehabter Unkosten 25fl. zahlen, wofür sein Vater Valten ZIMMERMANN die Bürgschaft übernimmt. Anna hat als Vormund ihren Bruder Hans SCHKORLOB.

 

Stadt Pegau Nr. 143 Bl. 194

16.6.1592: Hans REINICKER heiratet Marie GOTTSCHALCK, die aber zur Hochzeit keinen Kranz tragen darf, da sie beide schon Geschlechtsverkehr ("fleischlich vermischet") gehabt hatten.

 

ebd. Bl. 179

5.5.1591: Der Rat zu Salzwedel in der Altmark teilt dem Rat zu Pegau mit, dass am Sonntag Quirini abends um 7 Uhr vor des Bürgers Behausung alhier in der Stadt Nicolaus GÖDE, aus Pegau gebürtig, "in einem Hader und Uffgelauffe " von einigen Brauknechten, die geflohen sind, auf der Stelle tot verblieben ist. Dem vollbürtigen Bruder Jochim GÖDE zu Pegau gebührt die "vondicte" und Rechtfertigung wider die flüchtigen Täter. Er soll befragt werden, ob er den Prozess selbst in Gang setzen will oder ob der Rat zu Salzwedel dies tun soll.

 

ebd. Bl. 243b

29.9.1592: Der Sohn des verstorbenen Amtswalters Jacob SPIEß zu Pegau, auch Jacob SPIEß ist bezeugt als Amtsschösser zu Borna. Er möchte seinem seligen Vater im Amt folgen, also nach Pegau kommen. Der Rat äußert sich zustimmend und bittet den Kurfürst um Genehmigung.

 

ebd. Bl. 317

1.5.1593: Der ehemalige Apotheker Caspar BEHER(?) zu Pegau hält sich jetzt zu Mölsen auf. Er hinterließ Schulden. Der Rat zu Pegau bittet den Rat zu Mölsen, den BEHER anzuhalten, seine Schulden zu bezahlen.

 

ebd. Bl. 337

1593: Hans HOFMAN zu Torgau reist mit dem „Glückstopfe“ an zum Jahrmarkt. Es handelt sich um eine Art Lotterie. Er übergibt ein Verzeichnis all der Dinge, die zu gewinnen sind. Er erhält die Genehmigung. Der geschworene Bürger David HEINRICHMAN überwacht während des Jahrmarktes die „Lotterie“ und erklärt nachher, dass jeder wirklich das bekam, was sein Zettel versprach. HOFFMAN bekommt ein gutes Zeugnis!

 

ebd. Bl. 462

19.1.1595: Verfügung des Rates zu Pegau gegen das Treiben böser Buben an Heiligen Festen und sonstigen während des Gottesdienstes in der Kirche.

 

ebd. Bl. 498

17.11.1596: Verfügung vom Bürgermeister und den Ratsherren, dass es verboten ist,

den Bauern im Brauhaus Essen zu bringen. Sie bekommen für ihre Arbeit etwas mehr Geld zugelegt.

 

ebd. Bl. 498b

22.11.1596: Elias WEIßMAN von Leipzig wurde jüngsthin von Liborius MÜNCH, Bürger zu Pegau, als man nach der Bierzeche heimging, ein Ohr abgebissen. Der Täter entkam. Der Vater des Täters ist Adam MÜNCH, Bürger und Beutler zu Pegau.

 

ebd. Bl. 561

23.3.1598: Bettelbrief. Der nachgelassene arme Knabe Conradt des verstorbenen NN. LIEBELDT ist mit Schäden an Arm und Bein behaftet und soll auf Anraten des Arztes nach Carlsbad geschickt werden. Die Eltern des Jungen haben nichts hinterlassen. Er ist auf Hilfe Fremder angewiesen.

 

ebd. Bl. 616

23.7.1597: Der Tuchscherer Hans SCHUMAN sagt vorm Rat zu Pegau aus, dass des Schneiders Sohn Adrian NN. den Sohn von Abraham REINHARDT einen Dieb gescholten habe. Er konnte das nicht nachweisen, und ihm wurde bei 10fl. Strafe auferlegt, die Anschuldigung zu unterlassen."

 

ebd. Bl. 623

29.8.1595: Der Tuchscherer Hans SCHUMAN klagt wider Hanß FIEDELER, dass derselbe "uff die Cramer Innung gescholten" und gesagt hätte, darin wären "Schelme und Diebe". Abschied [Urteil]: Beide Teile haben 5fl. Strafe zu erlegen.

 

ebd. Bl. 691

10.9.1596: Die alte "Jungfraw Schullmeisterin" NN., Jacob HELLRIEGELs Weib, klagt, dass sie "im nehern Meißnermarck(t)" Hans SCHUMAN der Tuchscherer in ihrer Bude gescholten "vnd mit einem stein ein loch in am geschlagen". Beiden Teilen wird bei Strafe von 1 neuen ßo Friede geboten.

Die Schulmeisterin klagt auch wider die Caspar DIETMARin, die ihr nachsagte, sie "hette den Drachen vnd sehe auch wie eine DrachenFraw aus. Der DITMARin wird auferlegt, innerhalb von vier Wochen "ein schwebisch Zur Straff zu erlegen, oder ein Halßeisen zu büßen“.

 

ebd. Bl. 709

22.12.1596: Caspar BRAUER, Veit SIEBER und Hans MEINER klagen wider die Christoph NEFin wegen ausgestoßener Injurien. "NEFin ist der Clagen nicht allerdings gestendig, Ist von allen theilen friede, sonderlich aber der NEFin bey 10 Gulden oder dem Stein straff geboten, do sie der Injurien Überfürt werden konnte, deßhalb Zu dullden".

 

ebd. Bl. 714b

31.1.1597: Abraham GENTZSCH von Werben hat vergangenen Sonnabend dem Hans RINNEWOLF von Wiederau eine Kampfwunde geschlagen am Kopf und an der rechten Seite. Er wurde gefänglich eingezogen. Jacob GRELL bürgt für ihn.

 

ebd. Bl. 754

23.8.1598: Die Balbierer beklagen sich über den Pferdearzt Jacob OßWALD, der sich untersteht, auch Menschen zu heilen. Ihm wird aufgegeben, sich des Balbiererhandwerks, das er nicht erlernte, zu enthalten.

 

Stadtgericht Pegau Nr. 144 Bl. 9

24.3.1594: Georg WUNICKER erscheint vorm Rat zu Pegau erklärt, dass ihn der Tuchscherer Hans SCHUMAN mit ehrenrührigen Worten angegriffen und gescholten hat. SCHUMAN gesteht das nicht und erklärt, dass er von seinem Nachbarn Georg WUNICKER nur Ehrenhaftes und Gutes aussagen könne.

 

ebd. Bl. 103b

9.9.1595: Zwischen 9 und 10 Uhr vormittags ist bei herschendem Sturm der eine hohe Turm der St. Otten-Kirche eingefallen. Menschen kamen nicht zu Schaden.

 

ebd. Bl. 241

28.1.1596: Helene verw. Christian SCHAFFER c.c. Peter STANGE verfügt, dass die 7 neuen ßo, die der Tochter Ursula SCHAFFER zustehen, ihr vorenthalten werden, weil sie geschwängert wurde. Sie sollen nächstkünftige Johanni gezahlt werden von den 25fl., die ihr Sohn Georg SCHAFFER als Tagezeitgeld zu erledigen hat, was dieser auch zusagt.

 

ebd. Bl. 589

1598: Auf Bitten der Pastoren wendet sich der Rat zu Pegau an den "Artzeney Doctor" DORRER zu Leipzig mit dem Ersuchen, vorbeugend anzugeben, mit welchen Mitteln die Pest, die in der Umgebung von Pegau auftritt, bekämpft werden kann.

 

Paul Krause, Bei uns Daheim, Dresden 1924

Da ist zunächst Wilhelm Papsdorf, unser Großvater. Welch eine Freude, wenn er uns Kinder mit eigenem Pferd und Wagen auf dem Colditzer Bahnhof abholte, wohin mir von Remse aus, immer im Muldental abwärts, allein fuhren, worauf wir nicht wenig stolz waren. Noch jetzt kann ich mir den Klang ausdenken, der an mein Ohr tönte, wenn Großvater uns auf feinem Wagen über das nicht allzu ebene Straßenpflaster zwischen den freundlichen, nahe bei einander stehenden Häusern dahinfuhr. [...] Auf unserer Fahrt wies er mit der Peitsche hinüber nach der alten Schlossmühle, in der die Erlbacher Bauersleute ihr Getreide mahlen ließen. Durch die Stille der Nacht fuhren sie – es waren immer ihrer drei oder vier – ein paar Säcke Getreide auf dem Schubkarren zum Müller, und heute noch verwahren Großvaters Nachkommen wie ein Heiligtum aus der guten, alten Zeit ein Kerbholz, an dem gezählt wurde, wie oft Großvater im laufenden Jahre bereits hatte mahlen lassen.

Dieses Kerbholz besteht aus zwei gleichen, starken  Holzbrettchen, deren jedes die Inschrift trug: Wilhelm Papsdorf, Erlbach Nr. 91. Die eine Hälfte blieb im Gewahrsam des Müllers, die andere dagegen im Besitze meines Großvaters. Machte er sich nun mit seinem Getreide auf den Weg, so steckte er auch sein halbes Kerbholz in die große Rocktasche, die außerdem noch Schnupftuch, Schnupfdose, Butterbrot und harten Käse barg; der Meister Müller legte die beiden Hälften so aneinander, dass sie auf ein Haar zusammenpaßten, um endlich mit seinem Einschlagmesser einzuschneiden, welche die eine Hälfte genau so traf wie die andere.

Dann steckte Großvater seinen Anteil wieder ein und konnte daheim jederzeit nachsehen, wieviel er auf dem Kerbholz hatte. –

Doch nun zurück zu unserer Wagenfahrt! Wie gut hatte doch Großvater sein Pferd im Schwunge! In der Stadt noch, am „Goldenen Kreuz“, machte es zum ersten Male halt, sodann in Terpitzsch, Zollwitz und Hausdorf. Großvater mochte wollen oder nicht: sein Brauner blieb eben an jeder Schänke stehen, und wo sich das Gasthaus nicht bis an die Straßen heranwagte, da wagte sich Großvaters Brauner hinüber zum Gasthaus. Und alles ging seinen Gang. Der Wirt wusste schon, dass wir nicht erst abstiegen, weil wir doch zur Großmutter wollten, er brachte außer dem Bier auch einen Nordhäuser oder zwei, damit wir während unserer Wagenfahrt nicht etwa einem Schüttelfrost verfielen, ganz gleich, ob es im warmen Sommer, im kühlen Herbst oder im kalten Winter war.

 

GH Gnandstein Nr. 95 (1709-1720) Bl. 61b

Dolsenhain, 25.7.1710. Zänkereien zwischen Andreas GEHRTs zu Dolsenhain Weib Sibylla und Christoph RÖßLERs Weib Sibylla. Als Bruder der S.R. wird Marin MÜLLER genannt. Die GEHRTin hat die RÖßLERin eine "Petze und Hure" genannt. Sie wird zu einer Strafe von 2 alten Schock verdonnert.

 

GH Benndorf Nr. 7 Bl. 24

1659: Jacob WEIßKE klagt gegen den Schützen, dass ihm dieser beim Spiel einen "dicken Thaler" weggenommen habe. Der Beklagte bringt vor, dass er das Spiel habe halten wollten und habe nach dem Geld gegriffen, worauf der Kläger es stracks weggenommen hätte. Da habe auch er einen Thaler genommen. Urteil: Der Kläger soll dem Beklagten seine 2gr. 6pf. wiedergeben und der Beklagte muss dem Kläger den "dicken Thaler" rückerstatten.

 

GH Hainichen (Borna) Nr. 49 (1694-1701) Bl. 9

1694: Albin Kroßens Ehefrau Christina rügt, dass unlängst Elias, Bastian Ottos hinterlassener Sohn, an einem Sonntagabend, nachdem er zum Abendmahl gewesen war, sich vor ihren Augen ins Kraut gesetzt und darin "hofiert" habe; und als sie ihn deswegen gescholten und gesagt habe, er solle es bleiben lassen, habe er dreimal die Hosen heruntergezogen und gesagt, sie solle zu ihm kommen, sie solle alles von ihm umsonst zu sehen bekommen und sie solle das, was er in dem Kraut "hofiert" habe, mit den Zähnen zusammenscharren! Sie gibt Hans Zetzsche als Zeugen an, der aber nur bestätigen kann, dass er gesehen habe, wie der Beklagte im Kraut "hofiert" habe. Urteil: Elias Otto soll zur Strafe einen Graben an der großen Hoffewiese ausheben.

 

Die wissenschaftliche Ausbildung des Apothekerlehrlings und seine Vorbereitung zum Gehülfenexamen, Leipzig 1880

... 2) Reinlichkeit, in der Apotheke nicht weniger nöthig wie in der Küche. Nicht alleine vermeide der Rezeptar [Anfertiger eines Arzneimittels] jedes Übergiessen, Zerbrechen von Gefässen, er halte auch den Receptirtisch stets frei und rein, die Standgefässe sauber, die Extrakt- und Salbentöpfe innerlich rein usw. Auch schone man das Handtuch nach Möglichkeit, wische damit keine Flüssigkeiten, am wenigsten Öl ab, KAUE DIE KORKSTOPFEN NICHT WEICH [:))], blase nicht namentlich in Gegenwart des Publikums, in die Pulverkapseln usf.

3) Gesittetes Betragen gegen das Publikum, verbunden mit Freundlichkeit, am wenigsten ein grobes oder hochmüthiges Auftreten, selbst nicht bei zudringlicher Inanspruchnahme seitens der ungebildeten Klasse enthalte sich der Rezeptar jeder ungebührlichen Vertraulichkeit, unziemlicher Spässe, gestatte auch nicht, dass in der Offizin [Kundenraum einer Apotheke] Zuschauer ihn stören und Veranlassung zu unangenehmen Scenen geben. Wie das Publikum gebeten wird, das Tabakrauchen in der Officin zu unterlassen, darf es sich auch der Apotheker selbst nicht gestatten, im Apothekenlocal zu rauchen.

 

GH Wolftitz Nr. 1 (1663-1683) Bl. 336

Gnandstein, 29.2.1676: Der Amtsfron Melchior Ehrlich zu Altenburg führt Klage wider Hans Jungkhanß von Bocka, der als Fleischer ihm eine Kuh abhandelte, aber bis dato die versprochenen 7 Klafter Scheitholz noch nicht lieferte, auch den Thaler ausgemachtes Angeld [Anzahlung] nicht zahlte.

 

GH Hainichen (Borna) Nr. 49 (1694-1701) Bl. 53b

Hainichen, 2.9.1697: Schäfer Jacob Fuchs klagt wider Gottfried Hammer, der ihn am 18. Juni einen Sauhirten genannt hat und einen Schafschinder. Beim Wortwechsel haben die beiden einander dann noch verhauen. Hammer wird mit 1 nßo bestraft, Fuchs mit 30 Groschen.

 

Amt Leisnig, Bl. 16, Weimar Bb 1560 - Rechnung des Amtes Leisnig Jubilate

bis Sonntag nach Elisabeth 1512 - Einnahme von Gerichtsbußen:

Anthonius POPSTORF zu Rodaw [Röda bei Leisnig] unter der Obrigkeit des Ampts  begriffen umb des Willen, das er aim [einen] Knecht Schreyer genant, mit aym [einem] Rechen ain Schaden in ein Pein [Bein] zugefügt. Item [auch] eine Beulh [Beule] ufs Heubt [Kopf], ist vortragen an Sand Bartelmes Tagk [St. Bartholomäus]. 10g.

 

GH Medewitzsch Nr. 19 Bl. 32

30.4.1720: Schreiben des Pfarrers Tobias ECKARTI an seinen Gerichtsdirektor. Er beklagt sich über Gottfried ARNOLD, der in verdächtigen Häusern herumlaufe (so bei

der Maria TODTin und der verdächtigen Nachbarin Rosina BRETHSCHNEIDER) und seine Frau schlage zum größten Ärger der Gemeinde, der u.a. auch seiner Frau angedroht habe, sie mit seinem Flor zu hängen. Ermahnungen nützen nichts. Der Pfarrer sucht darum den ARNOLD zu bestrafen.

 

GB Leisnig Nr. 12 Bl. 473.

9.7.1584: Michel Herfart der Ältere ist vor 12 Jahren gestorben. Die Witwe Elisabeth folgte im Jahr 1584. Das Paar hinterließ 5 Kinder: Michel, Melcher, Görg [Georg], Peter und Anna (vhl. Andreas Planitz). Peter, der Jüngste, leibesbeschwert, nimmt die Mühle nicht an.

Er übergibt sein Kürrecht an den Lehnsherrn David Hüller, Pfarrer und Superintendent. Michael H., der älteste Sohn, kauft die Mühle für 1200 fl. Der gebrechliche Peter erhält außerdem 50 fl. für die Kür. Michael zahlt 350 fl. an. Peter soll, wenn er nicht heiratet, in der Mühle mit versorgt werden. U.a. soll er erhalten: wöchentlich für 5 Pfennig Butter, jährlich 1 Schock Eier, "dass er bißweilen ein Ei haben möge, dieweil er nicht Keß [Käse] isset, und soll ihme das brodt unvorschlossen sein". Trennt er sich vom Tische (bei Michel), so bekommt er jährlich 5 ½ Scheffel Weizen, 6 Schock Eier, einen Groschen wöchentlich für so viel Butter, 6 Kandel Milch, tägliche Kleidung an Hemden, Harzkappen, Schuhen usw. Ferner Ausmachungen für den Fall, dass Peter heiratet. Die Gerade erhält Planitz' Weib. In das Heergerät teilen sich die Brüder. Die Mühle hat 2 Gänge und Ölmühle. Ein Feldstück lehnt dem Herrn von Arras auf Korpitzsch. Vormund für Peter ist Brosius Voitt. Beistand für Görge ist Balthasar Voitt (Brüder der Witwe Elisabeth).

 

GH (Grundherrschaft) Großzössen Nr. 39 Bl. 156

12.3.1704: Hans Frauendorf zu Kleinzössen schwängerte die Tochter des Martin Dietze zu Steinbach. Er heiratet sie und kommt mit einer Geldstrafe von 10G davon.

 

GB Rochlitz Nr. 4 Bl. 263

Tag Circumcisionis 1557: Ilgen Jope ist von Hanß Kroschner erschlagen worden. Seine Erben vergleichen sich wegen des "wehrgeldts". Sie fordern 20ß 30gr, die Kroschner auf 2 Termine zahlen soll, auf Neujahr und auf die drauffolgende Fastnacht. Kläger sind: Christoff Jope, Urban Dietze, Nickel Schindler, die wohl die nachgelassenen Erben des Erschlagenen sind.

 

Amt Grimma Nr. 1525 (Kaufprotokolle 1739-1749)

Großbardau 15.2.1741: Georg Müller verkauft sein Gut in Großbardau zwischen Gregor Müller und Jacob Dietze, wie seine Vorfahren es schon besaßen, für 525 Thaler dem jungen Purschen Johann Gottfried Lochmann zu Großbardau.

Verkäufer ist bereits über 70 Jahre alt, seine Frau ist auch schon "baufällig" und hat ein Auge verloren. Käufer hat 262 Thaler 12 Groschen bar auf den Tisch gelegt als Angeld. Von der gedachten Kaufsumme macht Georg Müller seinen Enkelinnen und Enkeln, Andreas Teichens nachgelassenen Kindern, Elisabeth, Gottfried, Catharina und Sabina Schenkungen von 87 Thalern und 12 Groschen. Sie bekommen auch des Großvaters Heergeräthe.

 

GH Gnandstein Nr. 95 (1709-720), Bl. 40b

Dolsenhain, 26.8.1709: Hans Büttner zu Dolsenhain meldet, dass seines Vaters Eidam, Martin Gehrt, ein unordentliches Leben führt, sich schon frühmorgens voll Branntwein trinkt, hernach draußen vorm Gut liegt, nicht zum Essen erscheint und bei anderen Leuten klagt, dass er kein Essen bekommt. Gehrt wird vors Gericht geladen und verspricht Besserung. Ihm wird das Branntweinsaufen bei Strafe verboten und der Branntweinschenke Andreas Göpner bekommt Anweisung, ihm täglich nicht mehr als für 3 Pfennige Branntwein zu verkaufen.  

 

Corpus Juri Ecclesiastici Saxonici - Churf. Sächs. Kirchen= Schulen=Ordnungen 1708

Von den Täntzen. Weil auch in dem Kretzschmarn [Gasthof] / hin und wieder auff den Dörffern/ auff die Sonntag Lobtäntz und andere Täntze gelegt worden/ so aus dem umliegenden Dörffern/ durch Jungfrauen/ junge Gesellen/ Knecht und Mägde/ besucht/ und hierdurch/ besonders die allernothwendigsten und nützlichsten Predigten des Catechismi versäumet werden/ bey welchen sie nicht allein ihren verdienten Liedlohn [Gesindelohn] / sondern auch ihre angebohrne Güter offtmahls unnützlich umbringen und verzehren/ deßgleichen auch viel andere Unzucht und Leichfertigkeit üben/ und mehrmals solche Täntze biß in die tieffe Nacht treiben/ nachmahls im finstern heimgehen/ und auff

den Weg beyderseits wohl bezecht/ unbedacht einiger Sünde oder Schande/ sich beysammen finden/ schwächen oder schwängern/ etwa auch härtiglich verwunden oder tödten/ und obgleich an etlichen Orten ihnen allein am Tag/ und nicht länger zu tantzen gestattet/ dann biß man das Licht eingetragen/ sind gleichwohl die Jungfrauen und Mägd in den Kretzschmarn auffgehalten, umd zum Sauffen und aller Unzucht angereitzet worden/ und gleicher Gestalt erst bey der Nacht/ Weibs= und Mannes Personen/ Junge Gesellen/ Knecht und Mägde miteinander heimgegangen/ daraus allerley Unzucht/ Schand/ Laster und ander Unfug erfolget/ und gewißlich nichts bessers wäre/ denn daß solche

Fleischliche Wollust/ und das daraus erfolgende Aergernüß gäntzlich abgeschaffet/ und ernstlich gehalten werde; so gelanget doch an uns/ daß die leichtfertige Jugend/ deme ausserhalb unserer Lande nachläufft/ der Ende das Ihre verschwendet/ welches wohl verbleiben könte/ und durch Hader und Zanck in grosse Beschwehrung gerathen/ und

hierdurch unserm Lande die Nahrung entzogen wird. 

 

Corpus Juri Ecclesiastici Saxonici - Churf. Sächs. Kirchen= Schulen=Ordnungen 1708

Es ist auch eine schändliche Gewohnheit eingerissen auff den Dörffern, daß die Bauren auf- und an den hohen Festen, als Weihnachten, und Pfingsten, ihre Säufferey, bald Abends des Festes anfangen/ und die Nacht über treiben, und Morgends die Predigt entweder gar verschlaffen oder truncken in die Kirchen kommen und darinnen wie die Säu schlaffen und schnarchen.

 

   

 


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